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Luisa Miller

März 31, 2008

Mein zweiter und vermutlich letzter Anlauf zu den Verdi-Festwochen führte mich am 30. März in Luisa Miller, eine frühe Verdi-Oper, die ich seit der Premiere im Mai letzten Jahres nicht mehr besuchen konnte. Sie hat mich schon damals wegen Claus Guths psychologisch versponnener Regieführung mit den Spiegelungen der Räume und Personen fasziniert, bei der man das Gefühl hat, Personen treten aus sich heraus und beobachten ihre eigenen Handlungen. Und man fragt sich eigentlich, warum sie so handeln wie sie handeln, wo sie doch sehen, dass es zur Katastrophe führen wird und warum sie nichts dagegen tun. Das betrifft vor allem die beiden Väter in ihrer Hilflosigkeit. Ich finde das Stück jedenfalls sehr gelungen und spannend inszeniert.

Weniger spannend schien mir zunächst die Besetzung. Dass Krassimira Stoyanova eine fantastische Millerin singen kann und auch singt, ist hinreichend bekannt. Äusserlich wirkt sie zerbrechlich in ihrer Rolle, stimmlich ist sie das keineswegs. Sie ist ein leuchtender Fixpunkt der Aufführung und an ihrer Leistung wachsen ihre Sängerkollegen. Carlo Colombara hatte als Graf Walter ebenso leichte stimmliche Einstiegsschwierigkeiten wie Paolo Gavanelli als Miller. Beide haben ihre unterschiedlichen Vater-Rollen überzeugend vermitteln können, wobei Gavanelli alleine durch sein sensationelles Kostüm (braune Hose, türkise Jacke) und der Mehrfachspiegelung der Person schon Gänsehautgefühl vermitteln kann. Das konnte er gestern, bei mir wenigstens, nur bedingt. Er sang zwar sehr gut, drückte aber mitunter doch zu sehr drauf und das kann ich gerade bei ihm nun überhaupt nicht leiden, weil er es auch anders kann, und weil er ja sowieso der Publikumsliebling ist. Colombara dagegen singt unspektakulär klangschön und stückdienlich, greift aber dafür weniger Applaus ab.

Mikhail Agafonov trat erstmals als Rodolfo auf, und man hatte am Ende den Eindruck, er kam, sah und siegte. Er sang tatsächlich erfrischend kraftvoll, er schien auch ziemlich richtig zu singen, soweit sich das ohne Blick in die Partitur sagen lässt. Ich hatte das Gefühl, er sang einfach drauflos und es hat alles geklappt. An feinfühligere Interpretationen darf man dabei nicht denken. Das Publikum jedenfalls raste vor Begeisterung. Auf den Stehplätzen im dritten Rang erfolgte nach seiner Arie Quando le sere al placido Massenflucht (möglicherweise aber wegen des Stundenklaus).

Bemerkenswert finde ich, dass Ensemblemitgliedern und jungen Kräften aus dem Opernstudio größere Rollen anvertraut werden. So sang die Mezzosopranistin Anaik Morel die Federica nicht schlechter als ihre hochrenommierte Vorgängerin. Darstellerisch fehlt ihr noch etwas Raffinesse, was die Gesamtleistung aber nicht schmälert. Auch Steven Humes in der Rolle des Wurm war darstellerisch eher „Wurm, dein Freund und Helfer“, als der ausgekochte Intrigant. Über seine gesangliche Leistung gibt es keine Klagen. Auch die Laura der Stephanie Hampel, die man unter der Trauergemeinde des klagend kommentierenden Chores fast nicht ausmachen konnte, war eine blitzsaubere Leistung. Ebenfalls erwähnen muss man den Contadino des Michael McBride. Ich finde es gut und richtig, dass man den eigenen Leuten die Chancen im Repertoire eröffnet und würde mir wünschen, dass das Publikum nicht nur die Leistungen der Gastsinger honoriert.

Massimo Zanetti dirigierte auch die Luisa Miller. Ich nehme an, die anfänglichen Wackler gingen auf das zu kleine Probenkonto. Wie umsichtig und einfühlsam er das schwere À-Cappela-Quartett geformt hat, ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Luisa Miller ist ja nun nicht gerade ein orchestrales Prunkstück, ich fand allerdings, dass nach der langweiligen Ouvertüre das Orchester zu ansprechendem Spiel fand.

Der Abend war jedenfalls um Klassen besser als der des Vortages. Man darf sich gar nicht vorstellen, was hätte gewesen sein können, wenn die Stoyanova Traviata gesungen hätte.

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