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Ein deutsches Requiem

März 14, 2008

Wie bereits auch in den letzten Jahren, gastieren Chor und Orchester des Bayerischen Rundfunks bei dem Osterfestival in Luzern mit einem Programm , das auch in diesem Jahr kurz vor der Reise im Herkulessaal (13. März) aufgeführt wurde. Brahms‘ kunstvoll instrumentiertes Requiem, basierend auf schlichten Bibelversen ohne liturgischen Bezug und damit ohne Bezug auf die Leidensgeschichte, ist kraftvoll und edel zugleich. Es stellt große Anforderungen an die ausführenden Künstler und gewaltige Ansprüche an den Chor, der nahezu pausenlos im Einsatz ist.

Für mich ist das Brahms Requiem zuallererst ein Chorwerk. Auch gestern überzeugte der Chor des Bayerischen Rundfunks wieder durch perfekten Vortrag. Trotz des Kraftaktes, den der zweite Satz Denn alles Fleisch es ist wie Gras erfordert, gelangen anrührende Stellen wie gleich zu Beginn Sie gehen hin und weinen und der wunderbar einfühlsam und tröstlich gesungene 4. Satz Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth. Eindrucksvoll auch das wechselweise Singen mit Michael Volle und mit Krassimira Stoyanova bei ihren Soli. Michael Volle kann nicht nur Onegin und Kurwenal, er sang auch die beiden Bariton Soli mit klangschöner Stimme und mit passendem Ausdruck. Wohlklingend brachte auch Krassimira Stoyanova das zwischen die beiden Bariton Soli eingebettete Ihr habt nun Traurigkeit. Einschränkend würde ich anmerken, dass sie mir zu expressiv sang, etwas zu dick. Das passte dann nicht ganz zu der für mich zentralen Aussage und Bedeutung des Ich habe eine kleine Zeit Mühe und Arbeit gehabt und habe großen Trost gefunden, aber das ist nur mein Eindruck. Wenn sie sich etwas zurücknehmen würde, käme das auch der Glaubhaftigkeit des „mütterlichen Trostes“ zugute.

Mariss Jansons dirigierte die Aufführung, die dem Gedenken an Herbert von Karajans 100. Geburtstag gewidmet war, in überwiegend langsamen Tempi. Er liess mitunter sowohl Orchester als auch vokal sehr lautstark zur Sache gehen. Mir selbst fehlte bei aller Perfektion das letzte Bisschen, das direkt ans Herz geht. Aber man kann nicht immer alles haben.

Grosser Applaus für alle Mitwirkenden, aber vor allem für den Chor, auch von prominenten Gästen wie Kardinal Wetter oder Waltraud Meier beispielsweise.

Die Luzerner werden glücklich sein mit der Aufführung. Diese Prognose kann ich ohne jedes Risiko abgeben.

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2 Kommentare leave one →
  1. Olli permalink
    März 16, 2008 03:12

    Die Luzerner waren glücklich, sehr sogar und es gab stehende Ovationen allerersten Ranges, die man dem eher ruhigen „Schweizer“ nicht zutrauen würde.
    Die sind für die lokalen Gepflogenheiten völlig ausgflippt.
    Der Hauptbeifall und die Jubelstürme waren deutlichst hörbar beim Chor und man kann sich das ganze schon heute um 19:00 , quasi 24 Stunden nach dem Konzert in Luzern auf „Arte“ anschauen und anhören.

  2. März 16, 2008 16:21

    Ein bisschen kenne ich die Schweizer doch. 😉
    Wir hier kritisieren vielleicht doch zu schnell und das Urteil ist wahrscheinlich oft ungerecht. Ich selbst bin glücklich, in einer Stadt wie München in Oper und Konzert gehen zu können, die neben der drei Orchester von internationalem Rang auch mehrere sehr gute Chöre beherbergt, unter denen der Rundfunkchor eine singuläre Stellung einnimmt, dessen Bedeutung neben der künstlerischen Professionalität wegen der Repertoirebreite und -Tiefe weit über den Sendebereich des BR hinausgeht. Im deutschen Sprachraum ist der Chor nach meiner Ansicht zur Zeit unübertroffen.

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