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Gasteig 14.2.08

Februar 15, 2008

Als „Programm der Verstrickten“ bezeichnete ein älterer Herr im Café vor der Philharmonie das gestrige Konzertprogramm der Münchner Philharmoniker. Auf dem Programm standen “Sechs ausgewählte Lieder für Tenor” von Richard Strauss und Hans Pfitzners Symphonie cis-Moll op. 36a.

Richard Strauss ist mir kein ganz unbekannter Komponist, von Pfitzner weiss ich so gut wie nichts. Auch dessen “Verstrickungen” in der NS-Zeit habe ich mir erst im Nachhinein angelesen. Sie sind einigermaßen schwer zu verstehen. Im Programmheft der Philharmoniker ist von all dem nichts vermerkt, obwohl oder vielleicht auch weil er dem Orchester als dessen Chefdirigent nahestand und obwohl im Zusammenhang mit im Jüdischen Kulturzentrum geplanten Veranstaltungen Diskussionen entstanden, die zur Absage eines Kammerkonzertes führten. Anerkennenswert aber die Bemühungen der Philharmoniker, uns die Musik Pfitzners trotz berechtigter Bedenken näherzubringen. Insofern war der Abend auch für mich interessant, denn die Sinfonie Pfitzners, die er aus einem vorher komponierten Quartett entwickelte, hat mir überraschend zugesagt. Sie enthält viele Melodien und harmonische Elemente, die zwar nicht eingängig sind, aber sehr ansprechend. Musikalisch würde ich diese erste Sinfonie eher in die romantische Tradition des 19. Jahrhunderts einordnen als sie der zeitgenössischen Musik des 20. Jahrhunderts zurechnen, wohin sie aber tatsächlich gehört.

Auch bei dem von Christian Thielemann ausgezeichnet präparierten Orchester fiel mir die Transparenz der einzelnen Orchesterstimmen auf, die wie ein feines Netzwerk das Werk verweben. “Unverdaulich” war mir dieses Stück jedenfalls nicht.

Der erste Programmteil bestand aus

Richard Strauss
“Verführung” op. 33/1
″Heimkehr” op. 15/5
″Des Dichters Abendgang” op. 47/2
„Das Rosenband” op. 36/1
″Der Arbeitsmann” op. 39/3
″Ich liebe Dich” op. 37/2

und war Hauptgrund für meinen Abstecher zum Gasteig, da Piotr Beczala die Lieder singen sollte, den ich auf dem Konzertpodium sehr schätze, zumal mit einem etwas ausgefallenerem Programm. Und ausgerechnet dazu kann ich leider nur wenig sagen. Ich war zwar anwesend, hatte einen sehr guten Blick auf die Bühne, den Sänger, den Dirigenten und das Orchester. Gesehen habe ich, dass ein gutaussehender junger Mann sang, ich nehme auch stark an, dass er sehr gut sang, nur gehört habe ich fast nichts.

Wer auch immer den glorreichen Einfall gehabt haben mag, dieses Programm ausgerechnet in der Philharmonie mit ihrer grausamen Akustik anzusetzen, in der Einzelstimmen einfach untergehen, gehört gefedert und geteert. Daran habe ich leider auch nicht gedacht, als ich meine Karte für Block O gekauft habe, für die immerhin 27 Euro fällig waren. Langer Rede kurzer Sinn, neben ein paar Gesangsfetzen (mit sehr guter Sprachverständlichkeit), lautem Orchesterklang vor allem in “Verführung” und ein paar Bravo am Schluss aus dem unteren (näheren) Auditorium habe ich EINFACH NICHTS GEHÖRT. NULL. NIENTE. RIENS. NOTHING.

Es gab zwei Zugaben, die letzte eine Wiederholung des pfiffigen “Der Arbeitsmann”, die mir beim zweiten Anlauf besser gelungen schien als beim ersten.Falls jemand meiner Leser einen authentischeren Eindruck des Konzertes beitragen kann, bitte ich ihn oder sie herzlich um einen Beitrag als Kommentar. Denn das, was ich gehört habe, kann es ja wohl nicht gewesen sein. Schade.

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