Skip to content

Werther 8.2.2008

Februar 8, 2008

Viele dürfen sich auch in dieser Saison versuchen an Jules Massenets Werther, in München ungeliebtes französisches Repertoire und sich offensichtlich mässig verkaufende Jügen-Rose-Inszenierung. Heute waren es Massimo Giordano als Werther und Vesselina Kasarova als Charlotte.

Endlich sang Vesselina Kasarova die Charlotte, ich hatte mich so lange darauf gefreut. Ich glaube, ich hatte sie bisher nur in Hosenrollen gesehen und musste mich an die ungewohnte Bekleidung erst gewöhnen. Ihre Charlotte ist jugendlich, weniger abgeklärt als Sophie Kochs Darstellung, verletzlich. Sie ist im Wesen Werther ähnlich und deshalb kommt es so, wie es kommen muss in der Geschichte, eine Interpretation, die mir bisher am meisten zusagt. Vokal zieht sie alle Register, zuverlässig und mütterlich umsorgt sie ihre Geschwister, jung und unbekümmert zieht sie am Abend mit Werther los, leidenschaftlich verliebt kommt sie zurück. All das drückt sie aus durch Körpersprache und Stimme, dramatisch und leuchtend in der Höhe in der Briefszene beispielsweise und ebenso ausdrucksstark in der Tiefe. Die Palette ihrer Stimmfarben scheint unerschöpflich. Überwältigend schön fand ich heute ihre Mittellage und die tiefen Passagen der Partie, wo man ihren Schmerz und Verzweiflung miterleben konnte. Die Charlotte hat ja keine richtige Arie, mit der sie brillieren kann, und die Rolle ist deshalb unglaublich schwer, weil sich alle Effekte aus dem Szenenverlauf ergeben müssen.

In der Rolle des Werther glänzte heute Massimo Giordano. Ich fand seinen leichten Tenor sehr passend für Werther. Er führt seine Stimme sauber und intonationssicher ohne Höhenprobleme durch die Partie. Leider wurde er am Ende von „Pourquoi me reveiller“ vom Orchester etwas zugedeckt. Warum er für diese Arie neben vielen Bravi einige lautstarke Buhbrüller (mir schien nur von einer einzelnen Person) von der Galerie erhielt, ist mir ein glattes Rätsel. Ich fand ihn nämlich ausgezeichnet. Auch das Zusammenspiel mit Vesselina Kasarova klappte sehr gut, wenn man davon ausgeht, dass es sich um den ersten Abend einer Repertoireserie handelte.

Ion Marin legte sich am Dirigentenpult mächtig ins Zeug, das französische Fach ist bei ihm in guten Händen, wenn mir auch das Orchester in manchen Passagen noch unsensibel laut erschien.

Ich fand den Abend rundum gelungen und einen tollen Abschluss dieser für mich anstrengenden Opernwoche. Schön und rührend anzusehen war, wie froh Massimo Giordano war, als sich beim Schlussvorhang der einzelne Buher gegen die allgemeine Begeisterung nicht durchsetzen konnte, so froh, dass er im Überschwang der Erleichterung seiner Partnerin um den Hals fiel.

Nach dem direkten Vergleich mit dem Mikado-Nabucco erweisen sich Roses Inszenierungen Norma und Werther zwar nicht als Glücksfälle; ihre Beurteilung wird milder oder des Besuchers Anspruch relativiert sich. Wie man’s nimmt.

Wir werden nochmals eine Werther-Serie im Mai erleben mit Piotr Beczala und Daniela Sindram, ehe dann zu den Festspielen Werther (hoffentlich) seine Vollendung finden wird in der Besetzung Beczala und Kasarova.
Und Massimo Giordano kommt ebenfalls wieder im März als Alfredo. Auch darauf darf man sich freuen.

Advertisements
9 Kommentare leave one →
  1. Olli permalink
    Februar 9, 2008 01:44

    Du weisst schon, wer am 14.,15. und 17.02 bei den Philis im Gasteig Strauss-Lieder singt, oder?

  2. Februar 9, 2008 13:08

    Ja, das weiss ich 😀 Und da ich mir eine Opernpause bis zur nächsten Premiere Mitte März verordnet habe, konnte ich mir auch eine der teueren Konzertkarten leisten.

  3. Olli permalink
    Februar 10, 2008 00:29

    Wann bist Du da?

  4. Susanne permalink
    Februar 10, 2008 13:19

    Eine wirklich gelungene Kritik des Werthers vom 8.2., die genau auch meine Eindrücke wiedergeben. Toll!
    Allerdings finde ich, dass die Briefarie durchaus eine Arie ist, mit der Charlotte brillieren kann und Frau Kasarova hat m.A diese auch sehr gefühlvoll und technisch brilliant gesungen; daher fand ich es sehr schade, dass das Orchester keine Zeit für Applaus ließ.
    Wenn ich mich noch recht entsinne, wurde nach der Premierenserie durchaus nach ‚Je vous ecris‘ applaudiert.
    Ich finde Frau Kasarova hätte an dieser Stelle schon einen Zuschauerzuspruch verdient. Aber das schmälert den Gesamteindruck dieses Abends nur unwesentlich.

  5. Februar 11, 2008 17:25

    @Olli
    Am Donnerstag bin ich da, auf jeden Fall bis zur Pause. 😀

    @ Susanne
    Für mich ist die Sache mit dem Brief immer mehr eine Szene, weil sie so gar nichts Liedhaftes hat. Aber Arie ist mir auch recht, wenn es so toll gesungen wird, wie wir es beide erleben durften. 🙂

  6. Siegfried permalink
    Februar 16, 2008 13:38

    Simply nonsense! Light tenor? Clear voice? Check your ears please! Massimo Giordano is simply an uncultured, a scampish mafia.

    By the way, why didn’t you audience pay big bravo to Ms. Schwartz? You are so snob!

  7. Februar 16, 2008 21:29

    Nobody would have stopped you from paying Brava to Ms Schwartz if you appreciated her performance. But sometimes the applause you get is less enthusiastic than you think you deserve. I saw her doing a good job on stage and she has got a very warm applause. Where is your problem?

    Are you the guy who blowed the very cultured Boos for the tenor from the tier?
    Why are you haunting in public a tenor with libel and slander?

  8. conbrio113 permalink
    Februar 18, 2008 12:02

    Siegfried,
    Giordano „uncultured and a scampisch mafia“?
    How do you know that? Seems like you know him personally! Maybe he’s offended you or you can not stand him with no particular reason.

    Ich bin der Meinung von rossignols.
    Habe Giordano am 16.02 gehört. Bin eigentlich kein Fan von Massenet, dennoch hat mir Werther gut gefallen, da Giordano wunderbar gesungen hat! Der Beifall war so groß, daß er immer wieder erscheinen mußte.

    Bin in letztem jahr in verschieden Oper gewesen: Wien, Paris und Dresden. Leider war ich ziemlich entäuscht, weil die Qualität der Tenors nicht anspruchsvoll genug war. Verglichen mit diesen Tenors war Giordano einfach besser. Vielleicht ist seine Stimme nicht dramatisch genug, aber klingt klar und angenehm, Intonation deutlich, schauspielerische Leistung Tadellos, noch dazu sieht er attraktiv aus.
    Daher wirkte er glaubwürdig als Werther.

  9. Dezember 17, 2009 21:58

    я так считаю: превосходно!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: