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Nabucco 6. Februar 2008

Februar 6, 2008

Nachschau bei Nabucco. An der Tranfunzel-Inszenierung hat sich nichts geändert, obwohl ich gestern im Wagner-Forum gelesen hatte, dass RWE als Hauptsponsor bei dem Münchner Nabucco einsteigen wolle. Eine nette Idee eines spassigen Franken, dem die Bühne auch zu dunkel war.

Nach inzwischen einigen Vorstellungen hatten die Protagonisten der Bühne Zeit, sich miteinander vertraut zu machen und ihre Stimmen aufeinander abzustimmen. Sollte man meinen. Soweit es die Ensembles angeht, ist das auch gelungen. Paolo „Baritone“ Gavanelli war heute erfreulich gut beieinander und hat betörend gesungen. Warum er die Rolle allerdings so angelegt hat, wie er sie singt, ist mir ein Rätsel. Er singt den Nabucco in den beiden Anfangsakten, bis ihn Gottes Blitzstrahl wahnsinnig zusammenbrechen lässt, so klangschön und schmeichelnd, als wäre er kein Feldherr, der in seinem Zorn gegen die Hebräer ein Meer von Blut sehen will. An dieser Stelle hat man, wie ein Besucher im Wagnerforum anlässlich der Premiere schrieb, tatsächlich den Eindruck er lädt zum Tee anstatt zur Schlacht. Das ist sehr schade, weil dadurch die Entwicklung des Rollenprofils stimmlich nicht erkennbar wird. Überaus bewegend singt Paolo Gavelli den zerstörten alten Mann und den Vater. Da versteht er es, Emotionen zu wecken. Wie er überhaupt die Verdi-Väter sehr gut „kann“, auch bei Luisa Miller überzeugte seine Interpretation.

Wie schon in der Premiere sang Giacomo Prestia den Zaccaria mit seinem warmen wohltönenden Bass; ich mag seine Stimme sehr. Ismaele wurde wieder von Aleksandrs Antonenko dargestellt, der im Sommer in Salzburg als Othello auftreten soll. Dafür darf er dann noch etwas an seiner Stimme arbeiten, sonst geht er in dem Riesenhaus unter.
Anstelle von Daniela Sindram sang die Fenena heute Anaik Morel aus dem Opernstudio. Sie machte ihre Sache gut, konnte aber natürlich mit der Bühnenpräsenz von Daniela Sindram (noch) nicht mithalten. Stimmlich aufgefallen ist mir Lana Kos in der Rolle der Anna, die sich sehr gut in den Ensembles behaupten konnte.
Günes Gürle sprang als Il Gran Sacerdote ein, wobei ich mich frage, wozu man dazu einen Gast braucht, wenn man Fenena aus dem Opernstudio besetzen kann. Abdallo wurde von Kevin Conners dargestellt.

Maria Guleghina war heute sicherer als in der Premiere. Sie hat zweifellos ihre darstellerischen Qualitäten als Abigaille, selbst in so einer Nichtinszenierung, daran ist nicht zu rütteln. Sie hat auch eine große Stimme, durchschlagend im Sinne des Wortes. Ich habe schöne tiefe Stellen gehört, mächtige Höhen, die mir aber oftmals zu scharf sind und weh tun. Und sie kann kein Piano singen. Aber Abigaille ist nun mal nicht nur ein machtgieriges Weib, und diesen Teil der Rolle bleibt Maria Guleghina schuldig, darstellerisch und musikalisch. Es gab auch heute wieder ein deutliches Buh von der Galerie, aber deutlich mehr Applaus, worüber sie sichtlich erleichtert war.

Ebenfalls offensichtlich ist die gegenseitige tiefe Abneigung der beiden Hauptdarsteller, die sich noch nicht mal beim Schlussapplaus bei den Händen fassen, sondern möglichst viele Kollegen zwischen sich bringen.

Sehr gut auch heute wieder das Orchester unter Paolo Carignani, dessen Körpereinsatz beim Dirigieren nach ein paar Vorstellungen nicht mehr ganz so zackig ist, was der Qualität keinen Abbruch tut. Die Flöten waren heute etwas angepasster, die dunklen Streicher zum Niederknieen, meine Lieblingsklarinette war auch da, Blechbläser hinter und vor der Bühne tadellos. Kein Grund zu Klage.

Keinen Grund zur Klage gibt es auch über den Chor, der im Mittelpunkt dieser Oper steht, und der seine Fähigkeiten präsentiert. Der Szenenapplaus kommt zwar nach ihrem klagenden „Va pensiero“, mir hinterliess allerdings auch heute wieder das „Immenso Jehova“ den größten Eindruck. Im Zusammenklang mit den Solistenstimmen, vor allem der Giacomo Prestias, entsteht dort für mich ein Schlusspunkt der Oper, die dann ja doch bekanntlich mit dem Selbstmord der Abigaille weitergeht.

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