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Ein Maskenball

Dezember 11, 2007

Die heutige Vorstellung Un ballo in maschera konnte leider nicht bestätigen, was die hochkarätige Besetzung erwarten liess. Und auch das Orchester unter Marco Armiliato fand zu keinem überzeugenden Verdi-Klang. Ein Kompliment an die Musikerin mit den dunklen Haaren an der Klarinette, die mir auch heute wieder durch besonders schönen Klang bei dem kleinen Solo aufgefallen ist.

Ramón Vargas sang Gustavo.Für meine Ohren klang es in den ersten drei Akten sehr nach Arbeit, die er zur Erzeugung hoher Töne verrichten musste. Zugutehalten sollte man, dass er trotz der Mühe nicht stark forcierte. Überhaupt sang er sehr verhalten, was der Rollen-Gestaltung allerdings eher zugute kam. Natürlich hat er überhaupt nicht schlecht gesungen, sondern man konnte herrlich lange Bögen und wunderbare Phrasierungen geniessen. Sehr anrührend, auch schauspielerisch, seine allerletzte Szene, aber da war es im wahrsten Sinn schon zu spät für alles. Seine Partnerin als Amelia war Violetta Urmana, nicht ganz auf Linie zu Beginn. Zwar mühelose aber scharfe Höhen und Intonationstrübungen sorgten für eingeschränkten Genuss. Aber auch sie fand im Lauf des Abends auf den Pfad der Tugend. Franco Vassallo gab den Renato und bot gleichzeitig die beste Leistung des Abends. Sein unverbrauchter, farbiger Bariton funktionierte von Beginn an, so konnte Vassallo sein Rolle ganz gelassen angehen und gestalten. Jane Henschel in der undankbaren Rolle als Ulrica war „rollendeckend“, wie man so schön sagt. Mir gefällt ihre Stimme nicht sonderlich. Beim Oscar von Lana Kos darf man nicht allzu genau hinhören, denn ihre Stimme ist wunderschön und tragend in der Höhe, beim „Kleingedruckten“ lässt es dann aber bedenklich nach. Positiv vermerken muss man ihre Spielfreude in den eher statisch eingerichteten Szenen. Die bewährten Herren Christian Rieger, Steven Humes, Rüdiger Trebes, Kevin Conners und Michael McBride sangen die übrigen Männerrollen.

Die Inszenierung aus dem Jahr 1991 zeichnet sich nicht eben durch lebhafte Personenführung aus, alles ist eher statisch oder genauer langweilig. Das Bühnenbild baut auf abstrakte, geometrische Körper als Räume in wohltuenden Farben. Die Kostüme sind stilisiert historisch. Handlungsgemäß sind die mittleren Akte recht dunkel, schliesslich spielen sie in der Nacht. Ich würde die Inszenierung als gemäßigt modern bezeichnen. Eine Besucherin hatte tatsächlich ein Bühnenfoto der Vorgängerinszenierung dabei mit dem prächtigen Ballsaal samt Kronleuchtern, das sie durchreichte. Die „guten“ alten Zeiten sind allerdings vorbei.

Ich habe diesen Ballo kurz nach der Premiere 1991 gesehen und irgendwann später noch einmal. Seither habe ich ihn gemieden, und ich konnte mich an fast keine Details mehr erinnern. An die Amelia der Premierenserie allerdings schon. Es war die wunderbare wunderbare Julia Varady, deren mitternächtliches Pflanzensammeln unter dem Schandfelsen mir unvergesslich bleiben wird.

Unangefochten Sieger des Abends war das Abonnementpublikum. Ich fürchtete schon, in ein Jahrestreffen der Opern- und Konzert-Hobbyhuster und Bonbonpapier-Auswickler geraten zu sein. Sollte der Bayerische Rundfunk den heutigen Abend zur Sendung an Weihnachten aufgenommen haben, muss man sich für den Sendetermin etwas anderes einfallen lassen.

Kartenbesitzer der nachfolgenden Vorstellungen sollten bitte nicht verzagen. Das wird sich alles einspielen, denn die Herrschaften haben das Singen ja nicht verlernt. Wahrscheinlich lag alles an mangelnden Proben (braucht’s auch nicht bei überwiegender Rampensingerei). Möglicherweise gehe ich auch noch mal hin, denn so kann man nicht aufhören (sagt man beim Tennis).

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