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Fast wie Weihnachten

Dezember 10, 2007

Neben dem ganzen leidigen Arbeitskram trudeln auch ein paar nette Neuigkeiten ein, sogar Überraschungen – wie könnte es anders sein – von den Patenkindern.

Rose hat sich heute für ihren Computerkurs eingeschrieben, und sie hat auch gleich begonnen. Wie ich am Wochenende erfuhr, hatte sie sich geweigert, nach ihrer Abiturprüfung zu den Eltern nach Hause zu fahren, ehe sie nicht wusste, wie es mit ihr weitergehen wird. Wie ich diesen Ehrgeizling einschätze, wird sie nun das Geld für die Heimfahrt sparen und womöglich noch an den Feiertagen lernen, denn sie hat natürlich schon zwei Wochen verloren. Durch meine Schuld, denn ich dachte, sie wolle zuerst zu den Eltern und andererseits wollte ich mich auch nicht zu sehr einmischen, denn mein Leben ist es ja nicht. Aber jetzt sollte alles geregelt sein. Falls sich der Kurs bewährt, wird meine andere Grosse im Januar ebenfalls damit beginnen.

Roses Bruder Dan wird heilfroh sein, wenn er nicht mehr unsere gesamte Kommunikation übernehmen muss, denn es ergeben sich ständig Rückfragen, deren Beantwortung sich durch die räumliche Entfernung der Geschwister untereinander mehr verzögert als durch die Entfernung nach Deutschland. Geradezu perfekt funktioniert allerdings der Notruf: Kurzes Durchläuten auf meinem Handy nach Ausborgen eines Telefones und dann auf den Rückruf warten. LOL.

Dan hat inzwischen seinen Pass bekommen, ganz regulär, nützliche Aufwendungen in Form von kidogo waren nicht erforderlich; 42 Seiten, wie er mir stolz schrieb, allerdings nicht die Diplomatenausführung, die er zunächst angepeilt hatte, sondern ein ganz normaler Reisepass. LOL

Und dann ist da noch der kleine Bruder, von dem mir heute stolz berichtet wurde, dass er das letzte Schuljahr als Zweiter seiner neunten Klasse in Soweto und als Gesamt-Neunter seines Jahrganges beendet hat. Ich werde mir eine Belohnung überlegen, habe ihm aber heute schon mal ausrichten lassen, dass auf dem Gipfel des Berges noch ganz viel Platz sei, auch für ihn.

Ganz grosses Glück haben die drei Jugendlichen auch mit den Eltern, die trotz oder vielleicht gerade wegen der eigenen sehr dürftigen Schulbildung die Bedeutung einer Ausbildung für ihre Kinder, auch für die Mädchen, erkannt haben und diese unterstützen, obwohl sie von den Kindern so lange getrennt sind und vor allem der bereits alte Vater nicht weiss, ob er sie in diesem Leben noch einmal sehen wird. Ich wünsche mir sehr, die Familie im nächsten Jahr wieder zu besuchen.

Inzwischen lasse ich „Sista“ Rose Muhando für eine der Jahreszeit angemessene Andachtsstimmung im Blog sorgen. Afrikanische Kirchenmusik muss man erlebt haben. Da kann so eine Litanei auch gerne mal 10 Minuten und länger dauern.

Ich kann mich gar nicht entscheiden zwischen dem mehr urbanen „Yesu nakupenda“ = „Ich liebe Jesus“ oder „Moyo wangu“ = „Mein Herz“ (das natürlich auch Jesus gehört 😉 ), das in ländlicher Umgebung aufgenommen wurde. Der unbefangene Zugang zur Religiosität der Menschen in Kenya, die alle Lebenbereiche durchdringt, hat mich anfänglich fast etwas geängstigt. Mittlerweile kann ich dieser heiteren Frömmigkeit durchaus etwas abgewinnen, zumindest stört sie mich nicht. Äusserst lästig finde ich dagegen die allgegenwärtigen Evangelisierungskampagnen nach amerikanischem Muster, die sowohl die Fernsehprogramme in Kenya als auch die Sonntagvormittage beherrschen.

Es gibt zwar noch mehr Anlass zur Freude, aber am Rest freue ich mich erst mal alleine.

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