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Advent, Advent

Dezember 2, 2007

Leider besteht nicht das ganze Leben aus Musik und gottlob auch nicht aus Liebesdramen. Deswegen muss ich mich zwischendurch nicht nur mit ganz profanen Dingen vertraut machen, sondern auch noch den dazu erforderlichen schnöden Mammon verdienen.

Nach Ablegen des kenyanischen Abiturs beginnt für die Jugendlichen eine merkwürdige Zeit. Eine Zeit des Warten auf die Abschlussergebnisse, die erst im März des Folgejahres feststehen. Sofern Geld vorhanden, sind nach der schier endlosen Schulzeit, die keinen persönlichen Freiraum liess, zuerst Parties und Ferien angesagt und dann bereitet man sich langsam auf ein evtl. Studium oder das Erlernen eines Berufes im College vor. Zwei meiner persönlichen Patenmädchen haben in diesem Jahr die Schule beendet. Für sie gibt es aus Geldgründen keine Ferien, auch Besuche bei den Eltern oder Verwandten im Dorf können nicht endlos ausgedehnt werden, denn dort reicht ohnehin das Essen nicht. Und Party geht nur, wenn sie nichts kostet.

Da beide Mädchen ohne meine Hilfe keine weitere Ausbildung beginnen können und ihnen somit auch der Weg in ein wie auch immer aussehendes Berufsleben versperrt bleibt, stellen sich mir gerade viele Fragen. Die Unterbringungsfrage ist ungeklärt. Wird zumindest eine der beiden vorübergehend im Schlafhaus ihrer Schule bleiben können? Ist die Unterbringung dauerhaft bezahlbar regelbar? Wie können die Mädchen die Zeit bis zum März sinnvoll nutzen, ohne zu hohe Kosten zu verursachen? Welche weitere Ausbildung wird nach der Examensbekanntgabe angestrebt? Sind die Berufswünsche realisierbar und zukunftsträchtig? Ist eine Förderung durch kenyanische Stellen erhältlich?

Die Mädchen werden nun zunächst einen Computer-Grundkurs besuchen. Da in ihrer Schule keine entsprechende Ausrüstung und lange Zeit sogar keine Elekritzität vorhanden war, sind keinerlei Anwendungskenntnisse vorhanden, was die Kommunikation natürlich sehr erschwert, denn e-mail fällt für’s erste schon mal weg. Die Suche nach seriösem Unterricht ist selbst in einer Stadt wie Nairobi so einfach nicht, und die Preisunterschiede sind gigantisch. Mich irritiert vor allem, dass die wenigsten Institute, die beispielsweise den Computer-Führerschein anbieten, über eine eigene Webseite verfügen. Die Qualität des Unterrichts wird sich also womöglich erst nach Ende des Kurses herausstellen. Das zuletzt ins Auge gefasste Institut ist Rocky Computer College, das ich allerdings als Driving School in Erinnerung hatte, was es auch nach wie vor ist. Diese Art der Diversifikation ist typisch für Kenya, beides sind schliesslich Ausbildungsstätten.

Die Kursgebühren an sich wären einigermassen erschwinglich, wenn da nicht die Kosten der Unterbringung und vor allem die Transportkosten zum College wären. Schwarzfahren in „öffentlichen“ Verkehrsmitteln, den Matatus, ist praktisch unmöglich. Es ist mir unerklärlich, wie die Leute mit ihren sehr geringen Einkommen es schaffen, die täglichen Fahrten zur Arbeit zu finanzieren, die in Nairobi schnell die Höhe eines Monatslohnes eines einfachen Arbeiters erreichen können und das nur, um täglich aus einem Aussenbereich in die Stadtmitte und wieder zurück zu kommen.

Da nach Verlassen der St. Mathew Secondary School die Patenschaften offiziell endeten, ist der Kontakt nun rein privater Natur. Letztens erhielt ich einen Anruf und eine SMS von den Mädchen und reagierte etwas irritiert, denn auf der einen Seite sind die Familien bitter arm und haben andererseits ein Mobiltelefon? Inzwischen weiss ich aber, dass man nicht unbedingt einen Apparat braucht, um einen Anschluss zu haben. Ein Prepaid-Chip mit eigener Nummer reicht und eine „line“ hat fast jeder, wenn auch kein Telefonguthaben. Bei Bedarf leiht man sich ein Handy aus. Und wenn man Glück hat, schickt die Freundin aus Deutschland ein bisschen airtime. MamaMikes.com machts möglich, ein in USA ansässiges Unternehmen, das Dienstleistungen in Kenya zuverlässig ausführt, die überwiegend von Expatriats in Anspruch genommen werden. Das Verschicken von „minutes“ von einem Telefonanschluss zum anderen ist in Kenya sehr gebräuchlich, und man hilft sich bei Bedarf immer gegenseitig aus.

Inzwischen kann man sogar Schul- und Collegegebühren über Mama Mikes bezahlen, was in Kenya durchaus ein Problem sein kann, weil Schulen und Colleges oft nur Bareinzahlungen akzeptieren. Auch diesen Service werde ich also in Kürze ausprobieren. Bisher habe ich nur von positiven Erfahrungen gehört. Der Nachteil ist, dass die Transaktion in US-Dollar abgerechnet wird, was für Euroländer einen erhöhten Kursverlust bedeutet. Die unerklärliche Stärke des kenyanischen Shilling gegenüber dem Dollar wirkt sich natürlich auf Zahlungen in der US-Währung aus. Die Stärke des Shilling zeigt sich auch gegenüber dem Euro, allerdings deutlich weniger als gegen dem Dollar. Möglicherweise hat das Ganze auch mit den bevorstehenden Wahlen zu tun und ist ein ganz anderes Thema, das ich in meinem heutigen Beitrag nun wirklich nicht kommentieren will.

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