Skip to content

Tristan und Isolde (1)

November 12, 2007

Nahezu sechs Stunden Oper hinterliessen ein staunendes und beglücktes Publikum.

In München ist der Tristan eine ernste Angelegenheit, die mit der gebotenen Seriosität anzugehen ist. Spass versteht man nicht. Das Dirigat muss überzeugend sein, bei der Auswahl der Sänger sind die Besten gerade gut genug. Im vorliegenden Fall haben wir eine Konwitschny-Inszenierung, die Wagner Fundamentalisten zwar nicht begrüßen, die sie aber auch nicht allzu sehr aufregen dürfte. Damit will ich keineswegs zum Ausdruck bringen, dass ich diese Inszenierung für belanglos halte. Ganz im Gegenteil.

Nagano begann das Vorspiel zum ersten Aufzug etwas nervös – die Ereignisse der letzten Wochen um den Onegin hatten wohl ihre Spuren hinterlassen -, fand dann aber zu einem flotten Tempo mit einer nicht unerwarteten Transparenz bei den einzelnen Stimmen; Hörner und Holzbläser hatten einen großen Tag, die Streicher spielten samtig ohne plüschig zu wirken. Die romantischen Stellen im zweiten Aufzug hat er sehr gut und einfach „beseelt“ gemeistert, keine Spur von kaltem technischen Dirigat. Zwischendurch hatte ich den Eindruck, als forcierte er Tempo und Lautstärke etwas, um den kammermusikalischen Eindruck, der in München zur Zeit wohl nicht recht goutiert wird, abzumindern. Das führte dann auch glatt dazu, dass es Abstimmprobleme mit der Bühne ausgerechnet beim Liebestod gab. Das tut dem sehr guten Gesamteindruck allerdings überhaupt keinen Abbruch, denn ich bin überzeugt, dass am Ende dieser Aufführungsserie des Tristan (4 Aufführungen) wir einen Riesenfortschritt in der Interpretation feststellen werden. Meines Wissens war die Aufführung Naganos erster szenischer Tristan nach einer konzertanten Aufführung in Montreal in diesem Frühjahr. Dieses Dirigat überraschte dann schon in seiner Konsequenz und erweckt schönste Hoffnungen für die Zukunft des Hauses.

Tristan-Tenöre sind rar – das Zwischenfach ist dünn besetzt – und so hörte man im Vorfeld einige Stimmen gegen Treleaven. Er indes bot ein glänzendes Rollenbild mit leichten Brüchen im dritten Aufzug. Ein Bühnen-Ereignis nach wie vor ist die Isolde von Waltraud Meier, die gestern wieder einmal alles gab. Sensationell gut war René Pape in der Rolle des König Marke. Basierend auf seinen grossen stimmlichen Möglichkeiten, seinem kultivierten Gesangsstil und seiner sprachlichen Diktion gestaltete er die Rolle beklemmend intensiv. Welch ein Kurwenal (Michael Volle) und welch eine Brangäne (Daniela Sindram), die beide dem Ensemble der BSO angehören! Dieses Sängerensemble ist unübertrefflich.

Als ein „hehres Werk“ soll Richard Wagner den Tristan bezeichnet haben, erzählte mir ein begeisterter Besucher in der Pause. Das kann man wohl sagen.

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: