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Onegin am Tag danach

November 2, 2007

Die berufsmäßigen Premierenbesucher sind sich ebenfalls keineswegs einig. Bleibt zu hoffen, dass alle in der gleichen Vorstellung waren.

[..]Wäre es so simpel, man müsste Tschaikowskys Oper, auch Puschkins Vorlage als billige Flachreliefs abtun. Das Ärgernis dieser Premiere im Münchner Nationaltheater liegt also nicht darin, dass Regisseur Krzysztof Warlikowski die berühmte Polonaise als Cowboy-Ballett zeigt, den Film „Brokeback Mountain” zitiert – und damit pflichtschuldige Buhs provoziert: Die Produktion leistet sich viel größere Blößen. Nämlich einen Regisseur, der vor der Vielschichtigkeit des „Onegin” kapituliert. Zudem ein Team, dem man schwere handwerkliche Mängel durchgehen ließ. Und einen Dirigenten, für den Tschaikowskys Idiom unüberhörbar fremd ist, der sich folglich als klassische Fehlbesetzung entpuppt. [..]
[..] Nicht überraschend also, dass die Premierengäste mit heftigen Buhs auf Warlikowski reagierten, ansonsten aber bald das Weite suchten. Eine der tragischsten, berührendsten Opern des 19. Jahrhunderts provoziert lediglich Achselzucken und ungewollte Komik – ein halbgarer, ein peinlicher Abend. [..]
Münchener Merkur 2.11.2007 Markus Thiel Rezension lesen

[..] Kent Nagano ließ die Schönheiten der „Onegin“-Musik an der Bayerischen Staatsoper mit ungemein kultiviertem Klanggefühl und gestischer Prägnanz in fein kalkulierten Tempi aufblühen. [..]
FAZ vom 02.11.2007 Julia Spinola

[..] Sie alle stehen einen Abend lang ohne nennenswerte Aktion auf der Nationaltheater-Bühne in einem Stück, das keiner kennt und nach In-Augenschein-Nahme auch nicht näher kennenlernen möchte. Dazu wird – warum, das klärt sich nicht -die Musik von Tschaikowskys Oper „Eugen Onegin“ gespielt. [..]
[..] Zu allem Unglück steht dem Dirigenten das Stück nicht. Kent Nagano bewegt sich darin wie im falschen Pullover. Über vorsichtiges Taktieren kommt er nicht hinaus. Kein Duft, keine Leidenschaft. Und wenn er „Gefühl“ zeigen will (bei der Gremin-Arie) wird er einfach quälend langsam. Vom Stil, vom Zugriff abgesehen – es fehlte sogar an Präzision, weil Nagano versäumte, das einigende Band zwischen Chor, Orchester und Solisten zu knüpfen.Es laufen schon Wetten, wer den letzten Platz bekommt: Dörries „Rigoletto“-Affen oder dieser „Eugen Onegin‘.’Und eigentlich hätte ja auch die „Salome“ eine Chance. Bisschen viel bei den paar Premieren, nicht?“
tz vom 02.11.2007 Beate Kayser

[..] Nun hat der Trash auch die Bayerische Staatsoper erreicht. In Krzysztof Warlikowskis Inszenierung bleibt er freilich kein Selbstzweck: [..]Nagano dirigierte Tschaikowsky, wie er sein müsste, aber fast nie klingt: französisch-elegant, ohne doppelte Unterstreichungen und pathetische Drücker. [..]
[..] Obwohl Volle Onegins Selbstmitleid eindringlich auslebt, wirkt der Schluss nicht so stark wie das Vorangegangene. Dennoch ist diese Aufführung wegen ihrer musikalischen Vorzüge die beste, klügste und bewegendste der Staatsoper in letzter Zeit. [..]
AZ vom 02.11.2007 Robert Braunmüller

Schwuler Regisseur vergewaltigt heterosexuelle Oper (Deutschlandradio, mp3)
Dazu fällt mir nichts mehr ein.

Courtesy of Leser, dessen Arbeit für uns Musikliebhaber unschätzbar ist.

Brembecks Rezension aus der Süddeutschen spare ich mir, denn der hat noch nicht mal die geografische Lage des Schauplatzes ausgemacht. LOL

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