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Der fliegende Holländer am 5.10.2007

Oktober 7, 2007

Streiktag bei der Bahn, Oktoberfest und Oper. Die Letzteren schon zum zweiten Mal in dieser Woche. Während es anfangs der Woche im Zug recht lustig zuging und die Stimmung gelöst war, wechselte ich am Freitag mehrmals den Platz und das schon bei der Hinfahrt. Zuerst setzten sich drei jugendliche Angetrunkene mit Bierflaschen zu mir, deren Ausdünstungen nach einer Haltestelle schon nicht mehr zu ertragen waren. Der zweite Versuch war auch nicht besser. Der mir gegenübersitzende pubertierende Jüngling frass unterm Telefonieren seine Fingernägel samt sie umgebener Haut und anderer Gewebeteile auf. Es schien zu munden, denn er schmatzte laut. Ich stieg am Hauptbahnhof aus, denn die beiden Haltestellen bis zum Marienplatz wollte ich mir nicht mehr zumuten und nahm die Strassenbahn zum Max-Joseph-Platz.

Dass der „Megabass“ Kurt Rydl für ein paar Vorstellungen als Daland in München aufschlagen würde, stand schon lange im Programm. Zur Belohnung legten sie dem Megabass eine Werbebeilage für sein gerade erschienenes Buch auf teuerem Hochdruckpapier ins (kostenpflichtige) Abendprogramm: Der MEGABASS Kurt Rydl mit einer Art Untertitel TITAN der tiefen Töne. Lächerliche Werbung und unverschämt dazu! Was werden sie uns als nächstes ins Programmheft packen? Nebenbei bemerkt, der Megabass tremolierte als Daland heftíg. Seine Darstellung eines Vaters, der seine Tochter verkauft, wenn nur der Tand verlockend genug ist, war allerdings gelungen.

Kurt Streit als Erik stand nicht im Programmheft. Er sprang sehr kurzfristig für Stephen Gould ein, hat aber in unserem Holländer schon während der letzten Festspiele gesungen, als er ebenfalls einsprang für Klaus Florian Vogt, der damals in Bayreuth als Stolzing unabkömmlich war. Ich wundere mich, dass man diesen Tenor nicht häufiger einlädt. Er hat eine sehr charakteristische Stimme, eine mühelose Technik, sehr ansprechend. Viel Beifall nicht nur für’s Einspringen.

Eva Johansson kam für Anja Kampe als Senta. Ihr Spiel war ausdrucksstark und sie verkörperte die Rolle der Senta eindringlich, meisterte die Rolle auch stimmlich sehr gut. Allerdings ist mir ihr Timbre nicht sehr angenehm und ich finde die Höhen etwas schrill, aber das ist nur mein persönlicher Eindruck. Sie erhielt zu Recht großen Applaus.

Kevin Conners lässt noch immer das Mädchen blasen statt den Südwind, wie es auf dem Übertitel steht. Allerdings lachte diesmal keiner, denn in der Urfassung hat der Meister es wohl so geschrieben und dem gestrigen Publikum war das offenbar bekannt. Ansonsten hatte Conners mit dem Steuermann stimmlich ziemliche Mühe. Schade.

An Wolfgang Brendel scheiden sich die Geister. Ich bin kein bekennender Brendel Fan, schreibe aber gerne, dass ich ihn in der Rolle als Holländer von Mal zu Mal besser finde. Ich kann überhaupt nicht bestätigen, dass er den Holländer auf Sicherheit „heruntersingt“. Er gibt seine Interpretation der Rolle; sie passt in die Inszenierung und gut ist. Eines verstehe ich allerdings nicht: Bei uns singen so viele Stars; fast keine(r) kriegt mehr Blumen. Singt aber Brendel, dann fliegen die Sträusse aus der Engelsloge.Aber der Tölpel behält sie alle für sich, anstatt sie mit der Senta zu teilen.

Stefan Soltesz hatte die musikalische Leitung an diesem Abend und hielt das Geschehen zuverlässig und inspiriert zusammen, was kein Widerspruch ist. Für das anfängliche Hörner-Kiecksen kann er nichts. Wir erlebten wunderschöne Übergänge zwischen den drei Akten, in die ausnahmsweise keiner aus dem sehr aufmerksamen Publikum hineinklatschte.

Diese Inszenierung des Fliegenden Holländers von Peter Konwitschky wird seit eineinhalb Jahren gespielt. Sie gehört zum Besten, was die Bayerische Staatsoper zu bieten hat. Lange hat man fast ausschliesslich mit der Premierenbesetzung gespielt, nun geht sie langsam ins Repertoire über. Dennoch fasziniert mich das Stück immer wieder und sogar von Mal zu Mal mehr. Einzig mit dem zweiten Teil des Schlusses kann ich mich nicht anfreunden. Obwohl die Entscheidung für das Tonband und gegen den Echt-Ton schlüssig ist: Die letzten Takte würde ich immer noch lieber nicht vom Tonband hören.

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