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Sis an bros

Juli 23, 2007

Ein bisschen mehr möchte ich dann doch noch aufschreiben von meiner letzten Kenia-Reise. Four sisters Wenn ich dieses Foto ansehe, kann ich die Erleichterung förmlich spüren, die auf den Gesichtern der vier Schwestern sichtbar ist. Mit Ausnahme der Kleinsten vielleicht, die einfach nur froh ist, dass die Grossen froh sind und sich über das Fotografiertwerden freut. Wie zu erwarten, waren mir die Mädchen so gar nicht unsympathisch und jetzt gehören zumindest drei davon vorläufig zu meiner „extended family“. Mein Vater sagte, als meine Drillingsbrüder geboren wurden, „wo drei satt werden, werden auch sechs satt“. Und damals waren die Zeiten schlechter als heute. Deswegen mache ich mir um die Anzahl der Mädchen jetzt mal keine Sorgen, was mich etwas beunruhigt, ist das Alter der jüngeren Schwestern. Es wird ja ewig dauern, bis die mit der Schule fertig sind.

Damit war’s aber keineswegs genug. Es kam noch jünger. Eines Tages stellte mir nämlich meine Tochter Margaret dieses kleinen Mädchen vorAchuchu „My sister.“ Ihre Mutter starb, als sie ein halbes Jahr alt war. Sie lebt derzeit im Haushalt des Bruders und ging in eine Schule in der Nähe seiner Wohnung. Als die rückständigen Schulgebühren nicht mehr bezahlt werden konnten, wurde sie nach Hause geschickt. Man hat Margaret angeboten, ihre kleine Schwester in Kwa Watoto einzuschulen; dort geht sie jetzt in die pre-unit und – natürlich – habe ich ihre Schulpatenschaft übernommen.
Ganz egal, was meine Leser von mir denken und ich komme mir schon fast vor wie eine angehende Eislaufmutter, aber dieses Mädchen hat Pianistenhände: ganz schmale kräftige Hände mit einer extremen Spannweite. Keine Ahnung, ob sie musikalisches Talent hat, man müsste es ausprobieren.

Noch mehr Geschwister: bros Der eine fing gerade an mit der Secondary, der Große hat sie letztes Jahr mit Bravour beendet. Da er aufgrund seiner guten Leistungen ein Stipendium erhalten hat und meine weitere Unterstützung nicht mehr braucht, ermöglicht er im Grunde seinem jüngeren Bruder den Schulbesuch. Der kleine Bruder schrieb in einem Brief, den er mir mitgegeben hat, dass er zum ersten Mal in seinem Leben richtiges Schulmaterial erhalten habe und dass er sein Glück gar nicht fassen konnte, als bei der Verteilung sein Name aufgerufen wurde.
Auch diese beiden Jungs gehören zusammen mit ihrer Schwester, die in diesem Jahr die Prüfung ablegen wird, zu meiner weiteren Familie ebenso wie ihre jüngere Schwester, die noch zuhause in der Western Province zur Grundschule geht, aber quasi schon auf dem Sprungbrett in die grosse Stadt Nairobi steht. Ich hatte das Glück, die Eltern schon vor zwei Jahren kennenlernen zu können, und ich denke, die Investition in diese Kinder lohnt sich für alle Seiten.

Ein bisschen Spass muss natürlich auch sein beim Besuch der Patenkinder. Ich staunte nicht schlecht, wie sorgsam die älteren Mädchen, von denen zwei dieses Jahr die Schule abschliessen werden, mit der kleinen Geldsumme umgingen, die ich jeder vor unserem kurzen Einkaufs-Samstagnachmittag zur freien Verfügung in eine Börse gegeben hatte. Ausser für Schuhe wurde kein Geld ausgegeben. Buru Buru Shopping (Das Foto wurde gemacht, ehe uns ein Wichtigmacher mitteilte, wir dürften bei Tuskys keine Bilder machen, denn wir könnten ja Spione sein) Margaret beispielsweise kaufte am nächsten Tag für ihre kleine Schwester den lila Schul-Rucksack. Und Rose wollte die Hälfte des Geldes ihrer Mutter nach Hause schicken und den Rest aufheben bis sie ihn braucht. Eine interessante Erfahrung machten wir auf dem offenen Markt, wo Gladys schöne Sportschuhe kaufen wollte, die 1200 KSh (14 Euro) kosten sollten. Die Mädchen wickelten den Kauf selbst ab, während ich erschöpft in einer Ecke des Verkaufstandes sass und mich unsichtbar machte, denn sie hatten ja ihr eigenes Geld. Als ich mitbekam, dass der Händler nur 100 Shilling nachlassen wollte, habe ich mich dann doch zu Wort gemeldet, worauf er mir leise antwortete, er habe schon den besten Preis gemacht, schliesslich würde er sehen, wo die Mädchen herkommen. Das hat mir ein bisschen weh getan, denn ich möchte eigentlich nicht, dass man sowas von den Kindern sagt. Es zeigt aber, dass ein Weisser als Begleitung beim Einkauf nicht unbedingt preistreibend wirkt, denn 13 Euro ist ein guter Preis.

Apropos Sportschuhe. Hugs at Tuskys Wie ich ebenfalls erst zuhause beim Bildergucken festgestellt habe, wurden die roten Sportschuhe, die Rose zur Jeans trägt, vor fast zwei Jahren bei Bata in Nairobi gekauft und sind noch immer in einem tragbaren Zustand. Allerdings waren sie deutlich teuerer als die jetzt in Buru Buru gekauften.

Obwohl das Ergebnis dieses Experimentes mit den grossen Mädchen sehr zufriedenstellend war, habe ich es beim Einkauf mit dem älteren meiner beiden Schüler nicht wiederholt. Einkaufen durften Clement und Dan (der mit dem Stipendium), der kleine William musste dieses Mal zurückstehen, denn die jüngeren Mädchen konnten schliesslich auch nicht mit. Jeder der beiden Jungs hat das ihm zugeteilte Budget, das ich ihnen allerdings nicht ausgehändigt habe, voll zum Einkauf ausgeschöpft, wobei schon ein bisschen gerechnet werden musste, wofür das Geld reicht und was am Ende den Vorzug erhält – alles in allem war das aber eine schnelle Sache am Sonntag nach der Kirche. Trotzdem hat der Einkauf den beiden grossen Spass gemacht. Vor allem für Clement ist es wichtig, sich mit anderen Jugendlichen in etwa messen zu können, wie ich seinem Dankesbrief entnahm. Kleider machen eben überall Leute.

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