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Le Nozze di Figaro

Juli 21, 2007

Ich fand es unerträglich heiss im Zuschauerraum während der Vorstellung am 19. Juli; selbst Roses blassblau-weisses Bühnenbild in Dorns zeitloser Inszenierung brachte nicht die Illusion einer Abkühulung. Deshalb bin ich nun erstmals in meinem Leben im Besitz eines Fächers, ohne den ich wohl nicht bis zum Ende durchgehalten hätte.

Ich schreibe ein bisschen um den Brei herum und vielleicht sollte ich es sogar ganz lassen. Es gab also Nozze unter Lothar Zagrosek, den ich im Frühjahr schon einmal gehört hatte und dessen Dirigat mir damals wie jetzt auch sehr gefallen hat, mit der Einschränkung, dass bei Cherubinos erster Arie das Tempo viel zu schnell war und Maite Beaumont ziemliche Mühe hatte mitzukommen. Ihr Cherubino war ansonsten nicht schlecht, allerdings auch nicht besonders, zumindest haben mich die wunderbaren Cherubino-Arien nicht sonderlich berührt.

Ähnliches gilt für Heid Grant Murphy als Susanna, Gesang und Spiel erschienen mir farblos, den Eindruck konnte auch die innig gesungene Rosenarie nicht reparieren. Diana Damrau aus der Frühjahrsaufführung lässt grüssen.

Ich sollte schon schreiben, dass die Aufführung festspielwürdig war und zwar hinsichtlich der gesamten Besetzung, denn das hier ist natürlich Jammern auf hohem Niveau. Simon Keenlyside sang mit kraftvollem, rundem Bariton den Grafen Almaviva und es klang so selbstverständlich, als hörten wir ständig solche Grafen. Bei seiner Darstellung des Grafen kam mir tatsächlich mal der Gedanke, Almaviva könnte Susanna tatsächlich lieben und sei vielleicht doch nicht nur so ein Deflorationsmacho. Aber das war sicher nicht im Sinne Mozarts oder doch?
Hanno Müller-Brachmann machte als Figaro eine recht gute Figur, was allerdings nicht allgemeine Meinung war. In der Pause hörte ich eine Dame, die seine schlanke Erscheinung als Figaro bemängelte. LOL Man kann es eben niemals allen recht machen.

Die frischgebackene Frau Kammersängerin Anja Harteros sang die Gräfin grandios, wie könnte es auch anders sein. Für „Dove sone“ hatte man ihr sogar ein neues Kleid geschneidert. Verschenkt allerdings das Briefduett. Ovationen für sie, wie könnte es auch anders sein.

Bester Mann am Platz wie immer in der Münchner Nozze war Herr Alfred Kuhn, dessen Gärtner Antonio umwerfend komisch ist und der auch noch singen kann.

Sicher lag es an mir, dass ich diesen hochklassigen Abend nicht so schätzen konnte, wie er es wahrscheinlich verdiente.

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