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Mon cher Werther

Juli 19, 2007

Der erste Festspiel-Werther, der sich zunächst so gar nicht gut verkaufte, ging vor der Bühne reibungslos vonstatten, d.h. das Haus war ziemlich ausverkauft. Auf der Bühne gab’s ein nicht unbeträchtliches Hindernis: Adriana Kucerova, die in der ersten Serie die Sophie so gut sang und spielte, hatte plötzlich keine Stimme mehr, so dass ihre Partie kurzfristig von Márta Kosztolányi gesungen werden musste, während Adriana Kucerova die Sophie spielte.

Eigentlich hatte ich für die Festspiel-Aufführung eine andere Charlotte erwartet, jedoch war das ein Irrtum meinerseits. Sophie Koch sang die Charlotte ausdruckstark und klangschön wie schon in der Premierenserie. Die Dominanz des Rollenprofils der Charlotte in dieser Inszenierung, die mir bereits in der ersten Serie auffiel, wird durch Beczalas Darstellung des Werther (leider) noch deutlicher.

Bereits bei der Auftrittszene war mir klar, dass Piotr Beczala ein glaubhafter Werther sein würde. Seine Stimme ist lyrisch schlank geführt, er singt betörende Legati, die Höhen kommen mühelos und in der Phrasierung war er überaus stilsicher. Tenorale Spirenzchen, Schluchzerchen und Seufzerchen erwartet man bei ihm vergebens. Fehlanzeige selbst bei der zu manchen „Weltklasse-Tenören“ gehörenden Gestik. Manche mögen fehlende Opulenz bemängeln. Ich nicht. Vollkommen auch seine französische Aussprache, was im Zusammenspiel mit der muttersprachlichen Sophie Koch einen tollen Eindruck vermittelt. Sein Rollenbild unterscheidet sich stark von dem seines Vorgängers, es ist in meinen Augen überzeugender. Dadurch gelingt auch eine gute Übereinstimmung des Geschehens auf der Bühne mit der Partitur. Unter der beherzten Stabführung von Ion Martin, der sein Hausdebüt gab, hörte ich mehr „Französisches“ als in der ersten Aufführungsserie. Auch gab es hier betörende Orchestersoli und ich hatte insgesamt ein gutes Gefühl. Vereinzelte Buhs für ihn kann ich selbst im nachhinein nicht nachvollziehen. Mein Sitznachbar empfand das Orchester als zu laut, was ich selbst nicht bestätigen möchte.

Grosser Beifall für die Sänger, vereinzelte Buhs für Ion Martin. Ich bin sehr gespannt, wie Piotr Beczala als Duca in Rigoletto am 24. Juli bei den Münchner Stimmfetischisten ankommen wird.

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