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Wagner-Galakonzert

Juli 9, 2007

Oper für alle
Es hätte schlimmer kommen können! Vor dem Nationaltheater drängten sich zunächst keineswegs die Massen, denn es hatte in allen Stadtteilen und der Umgebung stark geregnet. Kurz vor Beginn des Konzertes hatte Petrus ein Einsehen mit der Staatsoper und ihren Gästen und der Max-Joseph-Platz füllte sich. Wie ich nach dem Konzert hörte, war die Tonqualität wesentlich besser als in den Vorjahren und auch die übertragenen Bilder waren trotz der kleineren Leinwand besser sichtbar. Den Leuten draussen gefiel’s.
a_oper.jpg Wenig Leute auf dem Max-Joseph-Platz kurz vor Beginn der Übertragung

Das Konzert
Den Leuten drinnen gefiel es ebenfalls. So viele beautiful people habe ich selten gesehen. Damen in schönen Kleidern und gut angezogene Herren bevölkerten die Treppen. Im Haus herrschte eine liebenswert erwartungsfreudige Stimmung.

Kent Nagano, das Staatsorchester und der Chor eröffneten dem Ereignis angemessen mit dem Einzug der Gäste aus Tannhäuser „Freudig begrüßen wir die edle Halle“, gefolgt von Martin Gantner als Wolfram von Eschenbach mit „O! du mein holder Abendstern“.

Bereits dieser Auftakt liess meine künstlerischen Erwartungen an den Abend ansteigen. Gantners Stimme ist nicht allzu mächtig für das große Haus, allerdings sang er sehr klangschön und expressiv, ohne schwülstig zu wirken. Kent Nagano liess bereits erahnen, so welch starkem Ausdruck er das Orchester führen kann.

Meine Entdeckung des Abends war René Pape. Zuerst als König Marke und nach der Pause als Hunding. Ich habe ihn bisher nur selten gesehen, natürlich von seinem Ruhm gehört, allerdings war es mir bislang nicht vergönnt, ihn an einem seiner guten Abende zu erleben. Das änderte sich gestern. Er war sensationell gut, textverständlich, tragisch und empfindsam als Marke in Markes Klage und brutal, herrisch, dominant in seinem Auftritt als Hunding.

Waltraud Meiers Bühnenpräsenz überraschte nicht. Sie braucht kein Bühnenbild und keine Regie, um das auszudrücken, was sie ausdrücken will. Ihr verdanken wir Isoldes „öffentlichen Liebestod“, wie die Süddeutsche vor ein paar Tagen ankündigte, einfühlsam mitgestaltet von Kent Nagano und dem Orchester.

Nach der Pause dann also der erste Akt der Walküre. Meier und Pape boten überwältigend gute Leistungen, Meier war mit kleinen Gesten sogar darstellerisch überzeugend. Kent Naganos Dirigat war sensibel, wie man es bislang schon gewohnt war, aber auch sehr expressiv, ohne sentimentalen Ballast zu wälzen. Eine perfekte Symbiose der menschlichen und instrumentalen Stimmen.

a_konzert.jpg
Und dann habe ich auch noch das verbotene Foto verwackelt.

Der jugendliche Held
Plàcido Domingos musikalische Lebensleistung kann man nicht genug würdigen. Für mich ist er ein Held der Musik. Der Klang seiner Stimme hat noch immer Jugendfrische. Er kann es noch immer. Leider muss man ergänzen: trotz seines Alters. Es war schön, Plàcido Domingo wieder zu hören, und ich würde mich jederzeit wieder um eine Karte anstellen. Er muss sich nichts mehr beweisen. Warum er sich also den gewaltigen Strapazen einer Partie wie Siegmund aussetzen zu müssen glaubt, bleibt mir ein Rätsel. Ich will nun nicht in kleinliche Kritik verfallen, denn es gab Momente, wo man die frühere Größe der Stimme hörte und auch die darstellerischen Möglichkeiten sah. Wer singt die „Wälse-Rufe“ so geschmackvoll wie Domingo? Aber alleine die Textverständlichkeit ist ein Problem neben Sängern wie Pape und auch mit Einschränkungen neben Meier. Vor allem aber in einem Haus wie München mit seiner Wagnertradition.

Ich verdanke Domingo so viele schöne Erlebnisse und Stunden in meinem musikalischen Leben und wünsche ihm von Herzen, dass er uns als Sänger noch lange erhalten bleibt, aber ich wünsche ihm auch Augenmass für den richtigen Moment.

Als Hardcorefan habe ich mich selbstverständlich mit vielen anderen nach Vorstellungsende am Bühnenausgang versammelt, unter den Augen wohlmeinender gutgelaunter Polizisten übrigens, die gerne die Maximilianstrasse wieder für den Verkehr freigegeben hätten, was aber nicht so ohne weiteres möglich war. Natürlich warteten die meisten auf Placido Domingo, der aber nicht kam (gabs früher auch nicht). Aber René Pape kam und gab ganz unspektakulär aber ausdauernd Autogramme.
a_pape.jpg
Das Pape-Foto (nach der vermutlichen Zigarette) habe ich jetzt auch noch eingefügt

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