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Meister der Stille

Mai 27, 2007

Wahrscheinlich habe ich es dem Pokalendspiel zu verdanken, dass ich am Freitag noch eine Eintrittskarte für das gestrige Sonderkonzert des BR-Symphonie- orchesters bekam. Nikolaus Harnoncourt dirigierte Dvoráks Stabat mater im Herkulessaal. Neben dem BR-Chor sangen Luba Orgonásová | Sopran, Birgit Remmert | Alt, Piotr Beczala | Tenor, Franz Hawlata | Bass.

Ich habe keine Ahnung, warum ich mich in der letzten Zeit häufig in Konzerten geistlicher Werke finde. Absicht ist es jedenfalls nicht. Auch Stabat mater ist ein durch und durch religiöses Werk, wenn auch kein liturgisches.

Im Mittelpunkt der eindrucksvollen Ausführung stand der Chor. Gestern fand ich vor allem den Männerchor besonders berührend, wie sie das „stabat mater“ mehr hauchten als sangen, und wer mich kennt, wird sich nicht wundern, dass mich das einfache Tenorsolo mit Männerchor des Andante con moto sehr angesprochen hat. Trotz der glänzenden übrigen Solisten fand ich Piotr Beczala gestern herausragend. Unbeschreiblich, wie er in der Lage war, mit einer dunkleren Farbgebung der Stimme die tiefe Trauer erlebbar zu machen. Ein aussergewöhnlich sympathischer Sänger, der für mich zu den führenden Tenören derzeit gehört (singt demnächst in München in Traviata und bei den Festspielen in Werther und Rosenkavalier). Dank seiner regelmässigen Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk kommt man bei ihm auch in den Genuss, ihn ausserhalb der Oper zu erleben, wo er bei allen Auftritten, die ich erlebt habe, sich vollkommen in das Solisten-Ensemble eingefügt hat. Ein intelligenter Umgang mit Stimme und Karriere ganz ohne Regimentstochter und tanzender Anna ist also auch möglich.

Einfach grandios war der Schluss des abendfüllenden Werkes mit dem „paradisi gloria“ des Chores. Nun weiss ich auch, woher der Name der von Marcello Viotti ins Leben gerufene gleichnamige Konzertreihe des BR stammt.

Nikolaus Harnncourt habe ich zum ersten Mal persönlich auf dem Podium erlebt. Seine Art, die Zeit nach dem Verklingen eines Satzes anzuhalten, Stille zu erzeugen, ist unvergleichlich.

Hier ein Merkur-Vorbericht zur Aufführung und Interview mit Harnoncourt.

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