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Glaube, Liebe, Hoffnung

Mai 16, 2007

Mein heutiger Beitrag handelt weder von den Grundlehren des Christentums noch beschreibt er einen kürzlichen Theaterbesuch. Obwohl Ödön von Horváths Stück Glaube, Liebe, Hoffnung. Kleiner Totentanz in fünf Bildern der Sache schon eher näher kommen würde und auch wieder nicht, denn so schlimm wie in dem Stück kommt es in den seltensten Fällen.

Zuständig dafür, dass es soweit nicht kommen wird, ist die Hoffnung und der Glaube. Nicht die Hoffnung auf himmlische Seligkeit sondern auf ganz irdisches, erlebbares Wohlergehen. Und der feste Glaube, die Überzeugung, die Zuversicht, dass es aus jedem Dilemma einen Ausweg gibt, den man nur manchmal nicht gleich erkennt. Und manchmal verbirgt sich der Ausweg auch absichtlich. Ausweg kann ein bequemer Spazierweg sein oder ein steiniger Pfad; manchmal muss man sich anseilen, um dem drohenden Absturz beim Aufstieg zu entgehen, und es kann auch nötig sein, eine Kluft einfach zu überspringen, womöglich ohne die Landestelle vorher zu kennen.

Hört sich nach Lebenshilfe an. Ist es nicht. Ich möchte auch keinen Fatalismus propagieren, sondern ich „glaube“, meine Aktionen selbst beeinflussen zu können, sobald ich erst einmal weiss, welche denn eigentlich erforderlich sind. Und das Erkennen ist oftmals mein Problem.

Meine Kenia-Patenschaften laufen nicht ganz problemlos zur Zeit. Neben dem nach wie vor ungewissen Schulschicksal meiner suspendierten Mittelschülerin hat sich aus heiterem Himmel ein Problem ergeben, das mich in den letzten Tagen sehr bedrückte. Die familiären Umstände meines „ältesten“ Patenkindes, das ich schon seit seiner dritten Grundschulklasse begleite und das in diesem Jahr die Grundschule abschliessen wird, haben sich drastisch verschlechtert. Verursacht durch die Arbeitslosigkeit des Vaters funktioniert eine bisher intakte Familie nicht mehr. Vier schulpflichtige Mädchen brauchen Unterkunft und Verpflegung, sonst wird für sie keine Schule mehr möglich sein. Für mein Patenkind und seine gleichaltrige Schwester wurde durch mich selbst und einen spontanen Helfer (DANKE) sichergestellt, dass die beiden Mädchen ihren Schulabschluss machen können. Das Schicksal der beiden jüngeren Kinder ist noch offen.

Da ich die Übernahme so einer Schulpatenschaft als eine mich eine längerfristige bindende Verpflichtung betrachte, ist für mein bisheriges Patenkind ein eventueller weiterer Besuch einer weiterführenden Schule gesichert, denn darauf habe ich mich von vorneherein eingestellt. Auch für die Kosten ihrer Unterbringung kann ich noch spontan garantieren. Ich käme mir aber unmenschlich vor, die übrigen Geschwister, die keine Paten haben, ihrem Schicksal zu überlassen. Zumindest die ältere Schwester müsste sich als house maid verdingen, mit all den Konsequenzen, die sich daraus in Kenya ergeben können und die ich keinem Mädchen wünsche.

Nun ergab sich zum Wochenende ein Fingerzeig, der gestern konkreter wurde, der mir zwar keine Lösung des Problemes aufweist, denn mir lief nicht etwa ein Goldesel über den Weg. Es ergab sich die Möglichkeit, kurzfristig nach Kenia zu reisen, um mir an Ort und Stelle (hoffentlich) einen Überblick zu verschaffen über die ineineinandergreifenden und sich gegenseitig beeinflussenden Probleme und dann mit Ruhe und überlegt zu versuchen, die Probleme zu lösen.

Allerdings reise ich in zwei Wochen keineswegs gramgebeugt nach Kenia, sondern ich fliege ziemlich freudig. dieses Mal (ausnahmsweise) nach Mombasa, denn dort war ich noch nicht. Für den Preis des Pauschalurlaubes hätte ich kaum ein Flugticket von München nach Nairobi bekommen. Mein lange gehegter Wunsch wird damit wahr – ich kann endlich mit dem berühmten Zug von Mombasa nach Nairobi und, falls er nicht allzu alt und klapprig ist,(hoffentlich) auch wieder zurück fahren. Wenn nicht, gibt es Bus oder Kenyan Airways.

Mit der Realisierung dieser unverhofften Reise sind zwar keineswegs die Probleme gelöst, allerdings glaube ich fest, dass sie Klarheit über den Weg oder die Mittel verschaffen wird, wie man den Kindern die Hoffnung auf eine bessere Zukunft erhalten kann.

Mit der Liebe habe ich allerdings ein Problem. Aber vielleicht ist die auch nur was für Götter. Oder für die hoffnungslosen Fälle.

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