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Der fliegende Holländer am 7.Mai

Mai 8, 2007

Hallo. Wie bitte? Ja, Sie haben vollkommen recht, die Vorstellung heute war sehenswert. Nicht nur für Sie. Sie hatten ja einen Feldstecher und einen sehr guten Platz auf der Galerie in der zweiten Reihe mit freier Sicht auf die Bühne. Da sassen Sie nun, machten es sich bequem und beobachteten zweieinhalb pausenlose Stunden lang das Geschehen durch ihren Feldstecher. Beide Arme breit aufgestützt auf der Balustrade, da lässt es sich schon aushalten. Eine Bitte hätte ich, falls Sie wieder mal Galerie Mitte sitzen: Denken Sie doch auch mal an die hinter Ihnen sich befindlichen Opernbesucher. Auf einem Sitzplatz in der ersten oder zweiten Reihe Mitte muss man sich normalerweise nicht ständig vorbeugen. Man hat ohnehin freie Sicht auf die Bühne bequem vom Sessel aus und das beidarmige Aufstützen auf der Balustrade ist doch auch eher ermüdend. Gestern hat Ihr rücksichtsloses Verhalten mindestens fünf hinter Ihnen sitzende oder stehende Zuschauer um einen Blick auf die Bühne gebracht. Den Vogel abgeschossen haben Sie dann, als Sie gegen Ende der Oper auch noch Unterschlupf bei Ihrem Sitznachbarn zur Rechten suchten und eine Blickblockade bildeten. Aber da war es eh schon wurscht, denn das Ende der Inszenierung kannten die hinter Ihnen leidenden Opfer ja alle. Obwohl der Rest der Vorstellung durchaus sehenswert gewesen wäre.

Gestern war die erste Aufführung der neuen Serie des Holländers. Trotz des kleinen Ärgernisses in der zweiten Reihe war es eine akzeptable Vorstellung Angesagt waren nämlich im Austausch zur Premierenbesetzung Kurt Rydl als Daland und Wolfgang Brendel als Holländer. Klaus Florian Vogt sang erstmals den Erik.

Rydls Stimme tremoliert mittlerweile ziemlich, insgesamt ist aber seine Darstellung des Daland sehr ansprechend. Der Anlass meines Besuches war der Auftritt Wolfgang Brendels als Holländer, den ich vor sehr langer Zeit zuletzt gesehen hatte und sehr schätz(t)e, von dessen sängerischer Entwicklung man zuletzt nicht viel Gutes hörte. Seine kürzliche Rückkehr an die BSO habe ich aus Urlaubsgründen leider verpasst. Er hat sich offensichtlich auf den Holländer gut vorbereitet. Die Rolle passt sehr gut zu ihm, sowohl von der Erscheinung als auch für die etwas ruppige Stimme. Er wusste gut zu differenzieren, hatte seinen Text drauf und brüllte nur, wenn es erforderlich war. Das schreibe ich mit aller Sympathie, denn ich freue mich wirklich, dass Wolfgang Brendel wieder da ist. Es flogen sogar zwei Sträusse aus der rechten Engelsloge (so gut war er nun auch wieder nicht) – das hat man (ich) länger nicht mehr gesehen an der BSO.

Vollständig überzeugt und sehr positiv überrascht hat mich Klaus Florian Vogt. So einen strahlend hellen, höhensicheren, geschmackvoll geführten Tenor habe ich lange nicht gehört: der schreit geradezu nach Höherem.

Anja Kampes hervorragende Senta wurde schon oft und hinreichend gewürdigt und muss nur der Vollständigkeit erwähnt werden.
Kevin Conners liess als Steuermann (absichtlich) mal wieder sein Mädel blasen anstatt den Wind und sorgte damit für Erheiterung. Er war in der Rolle aber schon deutlich besser zu hören.

Adam Fischer dirigierte den Abend wie gewohnt. Gesehen habe ich den Dirigenten nicht, aber etliche Wackel-Einsätze und Wackel-Passagen des Chores gehört.

Es gab grossen Jubel nach der Aufführung, wobei man allerdings schon differenzieren sollte. In besagter zweiten Galerie-Reihe sass eine größere Anzahl (ich nehme an) Schüler, die sich gegenseitig zu Bravo-Rufen anstachelten. Claqueure waren es wahrscheinlich nicht, dazu waren die Plätze zu gut und die Vorstellung frühzeitig ausverkauft. Dennoch ist dieser grosse Applaus mit Vorsicht zu beurteilen.

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