Skip to content

Favignana – ein egadischer Schmetterling

Mai 1, 2007

„La farfalla degli Egadi“ hätte mir als Überschrift viel besser gefallen, aber schliesslich ist das hier kein italienischsprachiges Weblog. Die Hauptinsel der Isole Egadi sieht für mich in ihren Umrissen aus wie ein Schmetterling.

Am Vorabend des italienischen Nationalfeiertages der Befreiung vom Faschismus entschied ich mich zum Besuch der aegadischen Inseln am nächsten Tag. Nicht nur, weil mir im Hotel gesagt wurde, das solle ich unbedingt machen, denn morgen seien schön viel Leute dort. Ich wollte eine frühe Fähre nehmen und fuhr entsprechend früh von meinem Berg in Richtung Hafen. Die Suche nach einem Parkplatz an der Lungamare dauerte etwas und dann wurde es auch schon knapp, die Fähre um zehn vor neun zu erwischen. Es war eine große Autofähre, die für die Fahrt nach Favignana eine Stunde brauchte.
levanzo.jpg
Vorbeifahrt an der Klippe Formica (Ameise) mit der tonnara

Es war bereits schön warm und ich verbrachte die Überfahrt auf dem Oberdeck und genoss das Schifferlfahren, vorbei an den beiden Klippen gleich nach Trapani und der kleinsten Insel Levanzo in den Hafen von Favignana. Die Insel wird überragt von einem hoch aussehenden Berg, Santa. Catarina, der von einer Burg gekrönt ist. In Wirklichkeit ist er nur knapp über 300 m hoch, aber an eine Besteigung war wegen der Hitze natürlich nicht zu denken, obwohl man die Wege von unten gut gesehen hat.

Nachdem ich mein Rückfahrticket für ein abendliches Tragflächenboot gekauft hatte, machte ich mich auf den Weg in den Hauptort, nicht ohne den von Fischern in ihren Karren angebotenen Tagesfang ausgiebig zu bestaunen. Unglaublich, was so alles essbar ist. Die allermeisten anderen Besucher, die kein Auto mit hatten, mieteten sich Fahrräder, die am Hafen und im gesamten Stadtbereich angeboten werden und schwärmten aus. Ich nehme an, dass die Anzahl der Miet-Fahrräder die Anzahl der Bewohner der Insel um ein Vielfaches übersteigt. Vermietet wird, was noch irgendwie zusammenhält und fährt.

Der Hauptort Favignana legt sich um das Rund des Hafenbeckens. Offensichtlich ist Fischfang die Haupterwerbsquelle und der Tourismus. An dem Tag und wie ich später nachlas, zu der Jahreszeit, spielt der Thunfisch eine Hauptrolle auf der Insel, die als Zentrum des Thunfischfangs und der damit einhergehenden Traditionen gilt. „Oggi c’e`tonno“ las man an manchen Fischläden, man hatte den Fisch also an diesem Tag erfolgreich erlegt. Der Ort war nicht überlaufen, ich machte einen langen Spaziergang, zündete mein tägliches Lichtlein in der chiesa madre an, nahm einen cappuccino in einer der zahlreichen Bars und machte mich dann auf die Suche nach dem weithin renommierten Lokal L’Egadi, das ich auch in einer Seitenstrasse rechts von der Kirche fand, aber leider geschlossen hatte. Mittagessen gab es dann im Schatten an der Piazza, vorzügliche Antipasti aus Geräuchertem aus dem Meer und eine Pasta, die mir persönlich zu sehr al dente war, das ging mir aber auch an den Tagen vorher schon so. Die kurze Pasta war mir meistens zu wenig gar, aber das liegt vermutlich an meiner bereits degenerierten Zunge; ich muss es zuhause mal austesten. Nach dem frugalen Mahl und dem Glas ausgezeichneten Weisswein machte ich mich auf zur Cala Rossa und dachte dabei eher an einen Spaziergang. Dieser östliche Bereich der Insel ist noch ziemlich vergammelt. Der Küstenbereich ist nicht zugänglich und gleicht eher einer Müllhalde. Nach einiger Zeit kehrte ich um, es war mir auch deutlich zu warm. Am Hafen wollten mich Fischer zu Grotten bringen, was ich nicht wollte, hätte ich aber wohl machen sollen. Nein, ich mietete mir auch ein Fahrrad und radelte los. Quer durch, an der vermeintlich engsten Stelle auf die Rückseite der Insel, wo sich eine Vielzahl wunderbarer Badebuchten und Strände befindet. Massentourismus war nicht erkennbar. Dort vertrödelte ich meinen Nachmittag in der Sonne am Meer, ehe ich die halbe Stunde zurückradelte, um das gebuchte Boot um fünf Uhr zu erreichen.

Wie sich herausstellte, ist es tatsächlich sehr zu empfehlen, die Tragflächenboote zur Rückfahrt am Abend gleich bei der Ankunft zu buchen, denn diese Boote sind bei schönem Wetter einfach voll. Aber wer sein Ticket schon hat, kommt natürlich mit. Die Überfahrt kostet einfach 6,70 € (mit der grossen Fähre ohne Auto ebenfalls), dauert aber nur 15 Minuten. Ich hätte also leicht auch ein späteres Boot nehmen können. Die Überfahrt mit dem Schnellboot muss man in der Kabine verbringen, das ist natürlich ein Nachteil, zumindest für mich.

Hochzufrieden mit dem Tag dachte ich auf dem Weg zu meinem Auto darüber nach, dass ich seit gestern kein deutsches Wort mehr gehört hatte, als ich bei einem Blick nach links zu einem Riesenschiff, der Sapphire, sah, wie ein Bündel Fahrräder an Bord gehievt wurde. An der Gangway ein Banner „BR-Radltour 2007“. Bayerische Radlfahrer auf Kreuzfahrt! Ich machte mich aus dem Staub.

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: