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Der Barbier von Sevilla und ein Prinz von Bayern

März 12, 2007

Auf dem heutigen Programm des Nationaltheaters stand nicht nur der Barbiere sondern auch ein Galadiner im Königssaal als Abschluss des sog. „Premium Circle“, finanzkräftige Sponsoren, die sich gerne mal mit Kunst und Künstlern schmücken. Sollen sie. Jedenfalls löste sich so am Ende meine Verwunderung über manche overdressed beautiful people in Smoking und Lackschuh, die man am Montag Abend eher selten trifft.

Bereits die Ouvertüre entzückte. Das Staatsorchester war in Bestform, die Unisono-Passagen der Violinen wurden präzise hingetupft, von den Hörnern (nach dem obligaten Kickser) wunderbar aufgenommen und fortgeführt. Der Abend konnte nicht schiefgehen. Und ja, ich führe es auf das Dirigat zurück. Enrico Mazzola leitete die Vorstellung im konventionellen Bühnenbild einer fast vergessenen Uraltinszenierung flott, durchsichtig, umsichtig, kammermusikalisch inspiriert, und das Orchester folgte ihm. Wann gönnt man uns sowas auch mal bei Mozart?

Gesungen wurde auch. Und wie!

Bruno de Simono sang einen kauzigen, unglaublich witzigen Bartolo. Luxuriös und stimmgewaltig besetzt der Basilio mit Paata Burchuladze, der zu den Chowanschtschina Proben in München ist. Den Barbiere sang Franco Vassallo, dessen Bariton bereits bei seiner Auftrittsarie hervorragend ansprang und den er dann allerdings ein bisschen protzig präsentierte. Gleiches war Kenneth Tarver als Graf Almaviva nicht vergönnt. Er hatte im ersten Teil gewaltige Höhenprobleme. Das war sehr schade, denn seine Stimme ist in der Mittellage zum Niederknien schön, ein sehr hell timbrierter Tenor, ideal für Rossini-Rollen, aber auch Belmonte würde ihm gut passen, glaube ich. Die Stimme funktionierte dann zwar nach der Pause, leider gibt es da keine Arie mehr für ihn. Dennoch hat er mir besser gefallen als Antonino Siragusa letztens in der Cenerentola, denn Kenneth Tarvers Tenor ist viel feiner, dafür nicht ganz so robust.
Aleksandra Kurzaks Rosina war fast makellos gesungen, Koloraturen, Höhen, Stimmführung und Stimmfarbe – alles perfekt. Wie schon als Adele in der Fledermaus übertreibt sie aber für meinen Geschmack.

Ansonsten gab es viel Händeringen auf der Bühne, vor allem bei den Herren, und die üblichen Tenor-, Bariton- und Baßposen. Was soll man aber auch machen so ganz ohne Regisseur.

Damit wir uns recht verstehen, es war ein herrlicher Rossini-Abend. Einer von denen, die gar nicht schief gehen können.

Ach ja, der Bierbrauer-Prinz aus Kaltenberg war auch da. Vielleicht hatte er das Bier geliefert zum Galadiner. So sah er nämlich aus. Rein outfitmäßig. Oder ist er etwa zum Diner gegangen und war gar nicht im Barbiere? Zieht sozusagen die Rossini Tournedos Rossini vor. Sag bloß.

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2 Kommentare leave one →
  1. Bruno Widmer permalink
    März 14, 2007 22:28

    Quatsch!
    Hat der Tarver kein gewaltige Probleme in der Höhe gehabt…mindestens sind ihre anderen Kommentaren seine edle Stimme würdig.

  2. März 15, 2007 12:05

    Lieber Herr Widmer, so habe ich ihn gehört, aber meine Aussage ist natürlich subjektiv. Ich würde Herrn Tarver jederzeit gerne wieder hören, selbst wieder mit anfänglichen Höhenproblemen. Ich werde das „gewaltig“ aus meinem Eintrag entfernen, Sie haben recht. Gruss rossignol

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