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Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Februar 16, 2007

Schulpatenschaften verbreiten eitel Sonnenschein. Wer das annimmt, wird früher oder später im Regen stehen. Bereits zum dritten Mal wird eine meiner Patenschaften wegen des Verhaltens des Jugendlichen vorzeitig beendet, dieses Mal durch Ausschluss aus der Schule. Man kann und wird wohl auch immer darüber nachdenken, ob man es hätte verhindern können, allerdings sind die Einflussmöglichkeiten der Patin beschränkt. In diesem Fall gab es bereits seit fast zwei Jahren Schwierigkeiten mit der Schülerin, und ich wurde bei meinem letzten Besuch in Kenia schon gebeten, auf sie einzuwirken, was ich auch versucht habe. Mit wenig Erfolg, wie man sieht.

Bei den Jugendlichen kommt vieles zusammen – schwierige häusliche Verhältnisse, Krankheit in der Familie, mal sind die Schulsohlen gebrochen und oft geht man mit leerem Magen und fürs Mittagessen ist kein Geld da. Ausreden für das Fernbleiben von der Schule gibt es genug; Pubertät und manchmal auch schlechte Gesellschaft tun ein Übriges. Dass für das Schulgeld nicht aufgekommen werden muss, spielt eine untergeordnete Rolle, wenn der starke Wille zum Durchhalten nicht vorhanden ist. Anzeichen für diese Art Rückzug gibt es immer, gab es auch in diesem Fall, verhindern hätte man ihn wohl auch bei nochmaligem Eingreifen nicht können, obwohl es hier leider gute Gründe zur Kritik an den Verantwortlichen gibt.

Die einen kommen, andere gehen – ganz so einfach ist die Sache nicht. Während die beiden vorher beendeten Patenschaften, ein Junge aus Goa und ein Junge aus Kenia, oberflächliche Beziehungen geblieben sind, unter anderem weil sie noch nicht lange bestanden, handelt es sich jetzt doch um eine mehrjährige Patenschaft, die beendet wird und wo ich bei meinen beiden Besuchen auch die familiären Umstände kennengelernt habe. Dennoch blieb die Beziehung aus meiner Sicht im Nachhinein betrachtet merkwürdig nichtssagend.

Dieser Fall bekräftigt mich in meiner subjektiven Anschauung, dass Emotionen bei der Übernahme oder Fortführung einer Patenschaft zwar durchaus eine Rolle spielen dürfen und sollen, dass aber eine nüchterne Betrachtung zur rechten Zeit auch nicht falsch ist. Ich betrachte meinen sauer verdienten finanziellen Beitrag zur Ausbildung der Kinder nicht als Almosen sondern als Finanzierung einer Investition, die sich zwar in Geld nicht rechnen muss, aber einen ideellen oder auch materiellen Nutzen für das unterstützte Kind bringen soll. Es mag hartherzig klingen, aber aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, eine Patenschaft zu beenden, wenn feststeht, dass sie nicht ihren Zweck erfüllen wird. Ich gebe allerdings zu, dass ich sie von mir aus wohl nicht beenden würde. Deshalb bedrückt mich zwar die Entwicklung und das weitere Schicksal meines Patenkindes, über die jetzige Entscheidung bin ich aber nicht allzu traurig.

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