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Roberto Devereux

Februar 9, 2007

Gruberova-Wochen an der Staatsoper. Nach Norma im Januar nun die Serie als Elisabetta. Ich weiss nicht genau, ob ich in diesem Blog schon Eindrücke von früheren Besuchen geschildert habe, die wegen des Kartenansturms und meiner bekannten Schlafmützigkeit immer nur von sehr schlechten Plätzen erfolgt sein könnten. Heute hatte ich zum ersten Mal einen Platz mit voller Sicht auf die Bühne, und habe auch tatsächlich entdecken können, was diese Inszenierung ausmacht und warum sie so viel Anerkennung erhält. Die Inhaltsangabe des wenig gespielten Werkes gibt es hier. Der Regisseur verlegte die Handlung in die Gegenwart, und das Stück lebt von der Beziehung der beiden Paare Elisabetta-Roberto und Sara-Nottingham und der Tragödie, die sich aus der Beziehung Sara-Roberto entwickelt. Interessant Christof Loys Gedanken zu seiner Inszenierung.

Unter Friedrich Haider hörte man ausserdem den unvermeidlichen Paolo Gavanelli als Herzog von Nottingham, Jeanne Piland als Sara, den offenbar ebenso unvermeidlichen Zoran Todorovich in der Rolle des Roberto. Sir Gualtiero Raleigh gab Steven Humes, Lord Cecil wurde gesungen von Maximilian Schmitt und ein Page durch Nikolay Borchev.

Todorevich war heute nicht intonationssicher und hatte teilweise viel Mühe mit der Höhe in der nicht sehr hohen Partie. Trotz seines klangschönen Tenors und seiner überzeugenden Darstellung war er der Schwachpunkt des Abends. Gavanelli bei seinem ersten Münchner Auftritt in dieser Saison stimmlich mal nicht so unverschämt protzig, wie man es schon gesehen hat, dafür hat er sich beim Schlussapplaus etwas aufdringlich in Szene zu setzen verstanden. An der sängerischen und darstellerischen Leistung des Hausbaritons war absolut nichts auszusetzen.

Jetzt aber zu den starken Frauen. Bei meinen vorigen Besuchen schon überaus positiv aufgefallen war mir Jeanne Piland mit schönem Timbre, aber auch mit grossem Ausdruck. So auch heute.
Edita Gruberova kann mehr als engelsgleich singen. Durch das Zusammenswirken ihres Gesanges und der schauspielerischen Interpretation verkörpert sie diese Elisabetta als zwar mächtige, aber an sich und allem zweifelnde alternde Frau, die krampfhaft und krankhaft versucht, sich Liebe zu sichern und zu erhalten und die am Ende alles verliert.Anfangs klang die Stimme etwas grenzwertig, ich würde sagen, mit einer Art blechernem Echo. Es gibt dafür sicher einen Fachausdruck, den ich aber nicht kenne. Diese etwas unangenehme Stimmkomponente hat sich aber rasch noch vor der Pause gelegt und nach der ausdruckstarken, desparaten, bewegenden Cabaletta konnte die grossartige Sängerin einen weiteren Triumpf verbuchen.

Das ist fesselndes Musiktheater, wie man es sich öfter zu sehen wünschen würde.

Diese Loy Inszenierung gibt in gleicher Damen-Besetzung auf DVD, und ich habe sie mal ganz oben auf einen Wunschzettel geschrieben.

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