Skip to content

Orlando

Januar 18, 2007

Ich habe noch nicht mal meine Eindrücke von der Orlando-Vorstellung von letztem Freitag wiedergegeben, da holt mich schon die heutige Norma ein. Die Vorstellung ist trotz Sturm und entsprechender Warnung nicht abgesagt, und also werde ich bewaffnet mit dem Text meinen Partiturplatz einnehmen. Die Chancen stehen gut, dass ich das Textbuch in der Tasche lassen und auf einen besseren Platz wechseln kann.

Aber jetzt doch vom Orlando: Diese Alden-Inszenierung wurde bei ihrer letztjährigen Premiere unvorstellbar ausgebuht. Was das Publikum bei der Wiederaufnahme letzten Freitag geritten hat, weiss es wohl selbst nicht, denn am Ende der Vorstellung gab es Ovationen für alle und keinerlei Missfallenskundgebungen. Etwas merkwürdig fand ich das schon, denn obwohl die Premierenbesetzung nicht schlecht gesungen hat und Harry Bickets flottes Dirigat mir ausnehmend gut gefiel, muss man in einer Händeloper nun wirklich nicht nach jeder Nummer applaudieren und das Getrampel und Gejohle von der Galerie am Ende fand ich übertrieben. Es war der stärkste Applaus, den ich seit Beginn der Saison in einer Vörstellung hörte. Vielleicht eine Art Kettenreaktion.

Die Verlegung des Handlungsortes in ein Militärcamp ist etwas gewöhnungsbedürftig, mir persönlich gibt es ein paar Maschinengewehre zu viel, und auch Paris Hilton ist nicht unbedingt mein Fall, auch nicht, wenn sie ordentlich singt. Allerdings sang sie am schlechtesten von allen Solisten, was aber nicht heissen soll, dass sie schlecht sang. 😉 Dafür zeigte sie höchst anregende Leibesübungen.

Und Countertenöre sind meine Sache auch nicht. Der von David Daniels klang mir etwas fahl an dem Abend und angestrengt. Wunderschön gelang ihm allerdings das Lamento im dritten Akt mit den beiden Viole d’amore als Begleiter.

Die für mich besten Leistungen des Abends boten Olga Pasichnyk als Dorinda, die sowohl darstellerisch als auch stimmlich überzeugte, und Beth Clayton als Medoro. Der hochgelobte Alastair Miles schien beeinträchtigt zu sein, wenn auch nicht angesagt, denn die nächste Vorstellung sagte er wegen Krankheit ab.

Überhaupt ist auf der Bühne mächtig was los. Man glaubt gar nicht, wie witzig eine relativ platt erscheinende Inszenierung sein kann, wenn die Darsteller mitmachen und schauspielerisch begabt sind. Ich werde sie mir sicher nochmals anschauen müssen und mich dann auch etwas mehr vorbereiten, damit ich mich auseinandersetzen kann.

Es sangen:
Orlando – David Daniels
Angelica (Hilton) – Rosemary Joshua
Medoro – Beth Clayton
Dorinda – Olga Pasichnyk
Zoroastro – Alastair Miles

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: