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Die Macht des Schicksals

Dezember 30, 2006

Viel zu sagen gibt es zur gestrigen Vorstellung nicht. Hätte Violeta Urmana nicht von Anfang an Klasse gesungen, wäre ich ich wirklich vorzeitig gegangen, obwohl auch das Orchester unter Paolo Carigniani sehr gut war. Der Dirigent darf von mir aus gerne wiederkommen. Sein Dirigat war sehr präzise und rhytmisch. Vor allem die Bläsergruppe ist mir als sehr klangschön in Erinnerung geblieben. Leider habe ich kein absolutes Gehör und mein Stehplatz im dritten Rang gewährt keinen Blick in den Orchestergraben, deshalb dieses pauschale Lob. Ich finde es sehr erfreulich, dass sich die Probenarbeit eines Dirigenten auch in solchen Repertoire- vorstellungen verdeutlicht und das Orchester auch zum mitgehen bereit ist – ein Zeichen seiner künstlerischen Kompetenz.

Wenig kompetent waren grosse Teile des Publikums. Offensichtlich konsumierte man die auf dem Gabentisch gefundenen Eintrittskarten. Mit dieser Meinung stand ich nicht alleine. Die Vorstellung war ja auch zum Teil eine Abovorstellung, und die Kritik der Abonnenten, die ja heute oftmals sehr sachkundig sind und häufige Opernbesucher, war in der Pause unüberhörbar und auf dem Weg zur U- und S-Bahn ebenfalls deutlich zu belauschen. Es wurde unentwegt applaudiert, und zwar grundsätzlich dann, wenn die Musik noch nicht zu Ende war. Es war extrem unruhig, oft unterhielt man sich noch minutenlang, während das Orchester schon spielte. Da ich wie gesagt, keine Sicht in den Graben hatte, hörte ich die Vorspiele oft erst, als die Musik etwas lauter wurde, kam also um vermutlich schöne Piani.

Auch Violeta Urmanas sowohl darstellerisch als auch sängerisch überzeugende Leistungen konnte die Aufführung (für mich) nicht retten. Sie war von Anfang an gut in Form, hatte zunächst ein bisschen Mühe mit der Höhe, was sich aber schnell legte. Ich habe sie nun dreimal als Leonora gesehen. Die Vorstellung gestern war ihre beste. In dieser Aufführungsserie wechselt sie sich ab mit Iano Tamar, die in ihrer ersten Vorstellung am 26.12. in der Rolle der Leonora di Vargas gar nicht gut beurteilt wurde. Insofern kann man die Kartenbesitzer zu den Urmana-Vorstellungen beglückwünschen.

Das war es aber auch schon. Ich fange mal mit Dagmar Peckova als Preziosilla an. Ihre Leistung ist einmal mehr eine Zumutung. Warum sie seit 2005 für alle Aufführungen engagiert wird, bleibt ein Geheimnis des Besetzungsbüros. Gestern krähte sie mehr als sie sang. Sie kann’s einfach nicht.

Gleiches könnte man auch von Franco Farina als Alvaro sagen, aber das soll nur für die gestrige Aufführung gelten. Gestern konnte er es nicht. In der ersten Vorstellung mit Tamar soll er allerdings gut gewesen sein. Gestern sang er am besten im Liegen, was allerdings auch eine akustische Besonderheit gewesen sein kann. In diesem Fall singt er Galerie und dritten Rang direkt an. Ansonsten kämpfte er mit Intonationsproblemen und steuerte die Höhen mehr oder weniger präzise von unten an. Nichtsdestoweniger wurde der Herr Tenor vom Publikum bejubelt. Vermutlich hat man ihm vorher gesagt, wenn der Tenor kommt, musst du „Bravo“ schreien. Der am Applaus gemessene Erfolg Farinas lag nur wenige Dezibel unter dem Urmanas und über dem des Dirigenten. Unbegreiflich!

Der schöne Bariton von Zeljko Lucic als Don Carlo di Vargas litt ein bisschen unter der wenig einfühlsamen Interpretation. Einfach nur laut zu singen, reicht halt auch nicht. Eine gesunde schöne Stimme aber immerhin.

Jan-Hendrik Rootering hat’s schwer. Sein Bass ist nicht ausdrucksstark, und er gestaltet wenig dynamisch. Als Padre Guardiano spielt das eine untergeordnete Rolle, sollte man meinen. Tut es aber nicht, wenn man auf dem Stuhl ständig Kurt Moll als Padre Giordano sitzen sieht, der in den vorherigen Vorstellungen, die ich sehen durfte, die beste Leistung des Ensembles geboten hat, wenn man das so sagen darf, denn ich scheue mich, bei einem so grossen Sänger von „Leistungsbewertung“ zu schreiben.

Unzweifelhaft auch ein Lichtblick, wenn auch ein kurzer, war der Fra Melitone von Franz-Josef Kapellmann, sehr gut gesungen und vor allem köstlich dargestellt.

Vertan war der Abend keineswegs. Neben Orchester, Violeta Urmana und Franz-Josef Kapellmann freute ich mich über die Bekanntschaft mit zwei Opernfreunden, mit denen man herrlich schwelgen konnte in noch gar nicht so lang vergangenen Zeiten. Und wie das so ist, hatte die gestern an sich erfreulich kurze Pause auch wieder nicht die optimale Länge.

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