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Der Köchin Freud und Leid

Dezember 24, 2006

Wie jedes Jahr, findet am ersten Feiertag das Freunde-Abendessen statt, zu dem ich meistens koche. So auch dieses Jahr. Allerdings bereitete mir die Menüfolge heuer einiges Kopfzerbrechen. Mancher möchte inzwischen noch mal essen, was er bei mir schon mal gekriegt hatte. Das reichte von Wünschen nach Lasagne über mit Lachsfarce gefüllte Garnelen bis zur südafrikanischen Bobotie. Ausserdem war zu berücksichtigen, dass zwei Leute keinen Fisch mögen und zum Fleisch Sosse wollen. Irgendwie passte das alles nicht zusammen. Und mir soll die Vorbereitung ja auch Spass machen.

Das letztjährige Menü hatte ich gar nicht als so grossen Erfolg in Erinnerung gehabt, gerade, weil zwei Leute wegen des Fischs ewig lange ohne Essen herumsassen. Der Kürbis-Apfel-Suppe zu Beginn konnten sie auch wenig abgewinnen. Dennoch soll es „sensationell“ gewesen sein, liess man mich letztens wissen und man lud noch ein paar Leute mehr ein. Nun denn! Ich muss ja nur kochen und nicht aufräumen, dekorieren und die Honeurs machen.

Ich habe mich entschlossen, den ganzen Kochschmarrn wie letztes Jahr auch wieder zu bloggen, denn mir war tatsächlich entfallen, was letztes Jahr so „sensationell“ gewesen sein soll, und da war das alte weblog ganz hilfreich.

Freiwillige Helferinnen habe ich inzwischen erfolgreich abgeblockt; ich hoffe aber sehr und arbeite daran, dass wir das Weihnachtsessen mal zusammen kochen können. Im Moment fühle ich mich damit überfordert. Schliesslich sollen die Helferinnen nicht nur Hilfsarbeiten verrichten.

Lasagne könnte bestenfalls als Secondo eines italienischen Menüs dienen, war also schnell verworfen, denn sie kommt mir zu üppig vor am Abend. Bobotie passt in den Sommer, aber nicht zu einem deutschen Weihnachtsessen.

Ich entschied mich für Traditionelles. Als Hauptgang gibt es Gänsebrust und Gänsekeulen. Dazu das Lafersche Apfelblaukraut und Semmelpudding. Die Gänsebrüste habe ich heute schon pariert und aus den Karkassen den Sossenfond gekocht. Wenn man das nicht vorher macht und damit die Chance hat, den Fond richtig zu entfetten, ist der Abend gelaufen, denn das Essen wäre viel zu schwer. Auch das Blaukraut ist schon fertig und die altbackenen Semmeln sind handgeschnitten, obwohl sie damit nicht besser werden – das ist eh klar.

Wer keine Gans mag, bekommt Zitronenpoularde (auch sie bereits in der Marinade und der Fond zubereitet und entfettet), Bandnudeln (frisch gekauft) mit Pinienkernen (vom Marienplatz-Christkindlmarkt – sehr preisgünstig!) und getrockneten Tomaten (vom Tollwood).

Falls Panik ausbrechen sollte, habe ich noch zwei Vögel in Reserve, die ich morgen früh noch irgendwie verwurschten könnte … als Teufelshähnchen beispielsweise.

Zwei Hauptgänge sind ein bisschen problematisch, denn die Küche der Gastgeberin hat nur vier Kochplatten und einen Backofen. Eine logistische Aufgabe, auch wenn alles bei mir zuhause schon fast fertig zubereitet werden wird.

Als Vorspeise gibt es die altbekannten Garnelen mit Lachsfüllung und dem sensationellen Safransösschen. Um mich nicht zu wiederholen, habe ich gerade noch eine scharfe Lachsterrine im Wasserbad in Röhr geschoben. Mal sehen, wie und ob sie wird. „Scharf“ heisst, in der Terrinen-Farce sind klitzekleine, rote Pepperonistückchen und grüne Pfefferkörner. Ausserdem sind noch Scampi untergemengt, was die Überleitung zu den gefüllten Garnelen sein soll. Ob die Safransosse zu beiden Vorspeisen passt, muss ich noch überschlafen.

Das Dessert ist auch zur Hälfte bereits fertig. Es gibt eine Orangen-Ricotta-Creme mit einer Orangen-Karamel-Sosse und filierten Orangen, Grapefruit und Mangos (falls jene bis morgen die richtige Reife haben). Das Dessert sollte ziemlich fein sein wie die Creme bereits andeutet, die mir selbst als „wenig Süsse“ sehr gut schmeckt.

Hoffentlich werde ich rechtzeitig fertig. Hoffentlich wird der Semmelpudding was und hoffentlich werden die Gänsebrüste nicht zäh. Gestern habe ich beides schon mal probeweise gemacht. Die Brust war ein bisschen zu lange im Rohr und der Semmelpudding war auch nicht optimal.

Eigentlich wollte ich ja noch einen Zwischengang oder eine zweite Vorspeise, damit ja keiner verhungert: Kartoffelbuchteln mit Fleischfüllung, vor Jahren in einem Kochkurs von „Essen und Trinken“ in Strassburg geübt, aber seither nicht mehr gemacht, erwiesen sich bei dem Probedurchgang vorgestern als zu üppig.

Verhungern wird schon keiner.

Hoffe ich.

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