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Wie im richtigen Leben

Dezember 14, 2006

Gab der Klügere nach? Alle Welt ergötzt sich an dem Skandälchen, das sich vor einigen Tagen an der Mailänder Scala zugetragen hat. Roberto Alagna hat die Bühne während des ersten Aktes der Aida verlassen, nachdem er gebuht wurde. Abgesehen davon, dass selbst Leute, welche ein Opernhaus selten betreten oder möglicherweise klassische Musik ganz verabscheuen und vor allem in Mailand nicht dabei waren, sich nun als hämische Kommentierer profilieren, drängt sich die Frage nach der Intelligenz des Publikums, in diesem Fall speziell des Scala-Publikums, auf. Sollte der Vorfall nicht von vorneherein inszeniert gewesen sein, frage ich mich, was Buhs für einen Sänger zu Beginn einer Oper bewirken sollen. Natürlich kann man seine Unzufriedenheit mit der Leistung ausdrücken. Ob Buhs zu Beginn einer Aufführung gerechtfertigt sind, sei einmal dahingestellt. Klug ist dieses Verhalten nicht. Und wenig konstruktiv.

Zum Vorfall an sich: Wenn die Szene sich so zugetragen haben sollte wie sie im italienischen Fernsehen gezeigt wurde, dann deutet vieles auf eine Intrige hin. Man darf gespannt sein, ob Alagna heute den Radames singen wird, wie er es im Gespräch ankündigte: «Il 14 tornerò alla Scala».

Bei meinen eigenen Theaterbesuchen frage ich mich häufiger, was manche Zuschauer zum Buh veranlasst und was damit bezweckt werden soll über das Kundtun der eigenen Unzufriedenheit hinaus. Würde nicht auch das Verweigern des Applauses genügen? Muss man Künstler vor dem Vorhang hinrichten? Muss oder darf man Künstler während der Arbeit schon abqualifizieren? Ist die Bewertung einer künstlerischen Leistung nicht eigentlich eine Geschmacksfrage, bei der sich Buhs von selbst verbieten? Viele Fragen.

Aber vielleicht ist Alagna ja gar nicht vor den Buhs geflohen, sondern weil er bemerkte, dass er seinen Hals nicht gewaschen hatte.

Jedenfalls sollte sich er sich vorsehen, denn als pflegeleichter Sänger gilt Alagna trotz seiner schönen, wenn auch nicht allzu grossen Stimme nicht. Nach diversen Auftrittsverboten und Auflagen aufgrund von Querelen in grossen Häusern könnten schon bald etwa Wiesbaden oder Strasbourg seine Bühnen sein. Oder San Remo.

Mir persönlich täte es leid, denn singen kann er und sein Auftritt als Cavaradossi in München hat mir sehr gefallen.

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