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Siegfried – Sieg und Frieden

November 17, 2006

Der MVV macht es mir wahrlich nicht leicht auf meinem Weg zum Ring der Nibelungen. Am gestrigen Tag des Siegfrieds entschloss man sich, an jeder Haltestelle der U6 5 Minuten ehrfürchtig zu verharren. „Betriebsstörung“ sagte der freundliche Lautsprecher. Mit der Folge, dass Peter Schneider das Stöckchen schon hob als ich zehn nach fünf gerade noch auf meinen Sessel im 2. Rang rutschen konnte, den eine sehr enttäuschte Stehplatzbesucherin leider wieder für mich räumen musste.

Wie jedermann weiss, sind und waren diese Alden-Inszenierungen der drei Haupttage des Ring recht umstritten. Davon war, zumindest an den beiden ersten Tagen, im Publikum nichts zu merken. Entweder haben die Puristen sich mit Plastik und Schrottplatz abgefunden, oder die einhellige und überwältigende Zustimmung nach der Walküre auch zum gestrigen Siegfried ist Ausdruck des Bedauerns und der Wehmut, dass es für einige Jahre in München keinen kompletten Ringzyklus mehr geben wird.

Ich habe den ersten Akt sehr genossen und bilde mir auch ein, einigermassen der Inszenierung habe folgen zu können. Diesen Siegfried, dessen erster Akt im recht abgerissenen Fünfziger-Jahre-Ambiente spielt, und in dem der in der Walküre von Siegmund als Herd besungene lila Kühlschrank endlich ein Elektroherd geworden war – merkwürdig, was einem so in Erinnerung bleibt – diesen Siegfried finde ich ziemlich spannend. Gesungen und gespielt wurde beeindruckend:
Siegfried – Stig Andersen
Mime – Ulrich Reß
Wanderer – John Tomlinson
Alberich – Franz-Josef Kapellmann
Fafner – Kurt Rydl
Waldvogel – Ileana Tonca

Welch ausgesprochener Glückspilz ich bin, erfuhr ich heute morgen: Ich musste nämlich wegen Grippe nach dem zweiten Akt das spannende Spiel verlassen, denn einer weiteren Stunde Pause fühlte ich mich nicht gewachsen. Stig Andersen, der schon zu Beginn als erkältet angesagt war, was man aber nicht bemerkte – besonders den zweiten, ruhigeren Akt sang er wunderbar – verliessen im dritten Akt wohl doch die Kräfte. Auch Nadine Secundes Brünhilde stand unter keinem guten Stern. Wie man hörte, soll sich ihr Tremolo inzwischen mit dem der Frau Schnaut messen können. Schade für die Zuhörer, die bis fast um Mitternacht ausharrten.

Dennoch: „Ist es nicht immer wieder schön?“ Diesen Satz oder ähnliches hörte man häufiger, während der Pausenspaziergänge. So ist es.

In zweihundert Meter Luftlinie Entfernung sang übrigens Ben Heppner zur gleichen Zeit im Herkulessaal Szenen aus Opern von Richard Wagner. Hätte ich davon eher erfahren, hätte ich den Siegfried vermutlich zugunsten meines Lieblingstenors fahren lassen. Aber ich bin nun mal ein Glückspilz.

Neu sind übrigens deutsche Übertitel bei deutschen Opern. Finde ich im Fall Ring ganz gut, obwohl vor allem die männlichen Sänger durchweg aussergewöhnlich gut verständlich waren.

Nun bleibt abzuwarten, ob die Frau Schnaut am Sonntag zur Götterdämmerung erscheinen wird. Falls nicht, könnte es auch da noch mal spannend werden. Hoffentlich erholt sich Stig Andersen bis dahin.

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