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Wo Riesen und Feen ruhen

Oktober 29, 2006

Ehe ich nach Sardinien fuhr, wusste ich nichts oder nicht viel von der Kultur dort, insbesondere nichts über Nuraghen, Feengräber, Riesengräber, Brunnendenkmäler und Dolmen und schon gar nicht über deren Bedeutung für den Alltag dort. Diese kulturellen Hinterlassenschaften sind in Sardinien nämlich allgegenwärtig. Sie begegnen dem Besucher und Bewohner der Insel auf Schritt und Tritt, was allerdings nicht heisst, dass man buchstäblich darüber stolpern würde. Während der erste Tage habe ich zwar viele Hinweisschilder auf „Nuraghe“ und „Domus de Janas“ gesehen, jedoch ist mir der Zugang verwehrt geblieben, aus mancherlei Gründen: unwegsames Gelände, Fussmärsche in menschenarmem Gebirge, mir unpassende Öffnungzeiten. Die grossen Nuraghen sind nicht frei zugänglich, sondern nachmittags meistens erst ab 15 Uhr geöffnet, zumindest war das so während meiner Reisezeit.

So war ich recht neugierig und machte mich an einem Tag auf, den Nuraghenkomplex Su Nuraxi zu besuchen, der zum Weltkulturerbe gehört. Wie das manchmal so ist, fand ich auf dem Rückweg von dort, quasi am Strassenrand (aber natürlich auch geschlossen) diesen Nuraghenturm Is Paras, mit ca. 12 m der höchste Sardiniens, wie ich inzwischen weiss und an dem man relativ gut sehen kann, um was es architektonisch eigentlich geht.
Nuraghe Is Paras, Isili Ein runder Turm aus weissem Kalksandstein mit einem Nebenraum, nach oben enger werdend, jetzt oben offen; man vermutet oder hat sogar nachgewiesen, dass die Nuraghen nach oben von steinernen Kuppeln bedeckt waren. Alles ist ummantelt mit einer weiteren Schale aus Stein. Zwischen den beiden Mauerschalen kann man in einer Art Korridor gehen und das Innere sozusagen bewachen oder gegen Feinde schützen.
Nuraghe Is Paras, Isili Im Fall von Is Paras befinden sich um den inneren Turm drei weitere Türme, die wahrscheinlich der Sicherung und Verteidigung dienten. Diese wurden zu einem späteren Zeitpunkt an den innern Turm angebaut (mehrere hundert Jahre). Der innere Turm stammt aus der Zeit ca. 1500 v. Chr. Da sich die Nuraghe auf einer kleinen Anhöhe befindet handelt es sich vermutlich um einen Wehrturm.

Wie gross der Nuraghenkomplex Su Nuraxi in Wirklichkeit ist, wurde zufällig nach einem Erdrutsch entdeckt. Hier findet man nicht nur den typischen Nuraghenturm, den ein in der Gegend geborener Archäologe in den fünfziger Jahren gefunden hat, sondern dieser ist umgeben von einer Siedlung mit Wohn- und Kultstädten, die allerdings viel später als die Nuraghe entstanden sind.

Auf dem Foto sieht man links einen runden Raum mit umlaufender Sitzbank. Hier vermutet man eine Kultstätte.

Auch diese Nuraghe steht heute auf einer kleinen Anhöhe. Man vermutet allerdings, dass sich unter der heutigen Ausgrabung ein weiteres Stockwerk befindet, die Aufschüttung also durch Wind und Wetter der Jahrtausende geschehen ist, befürchtet allerdings einen Zusammenbruch, falls man tiefer graben und die Nuraghe vollständig freilegen würde. Man vermutet durch die Lage auch, dass es sich bei diesem Bauwerk nicht um einen Wehrturm gehandelt haben könnte, sondern dass es als Wohnung für etwa zweihundert Menschen gedient haben könnte.

Auch hier wird der innere Turm von einer zweiten Mauerschale mit einem dazwischenliegenden Korridor verkleidet. Beide Mauern haben mehrere Fensteröffnungen.

Su Nuraxi kann nur mit sachkundiger Führung besichtigt werden, was duchaus sinnvoll ist. Daher weiss ich auch, dass das Gestein Basalt vulkanischen Ursprungs aus der Gegend ist. Es handelt sich um sehr kunstvolle Trockenbauweise. Teilweise hat man zur Sicherung und Stabilisierung nach der Ausgrabung mit etwas Mörtel nachgeholfen. Diese Nuragher müssen kleinwüchsig gewesen sein, denn bei der Besteigung des Turmes und der Benutzung der Treppen des Korridors wird es für unsere heutigen Körpergrössen sehr eng.


Auch hier wird das Zentralgebäude durch nachträglich angebaute Türme umgeben.


Der Korridor zwischen den beiden Mauerhäuten ist hier gut zu sehen.


Blick von oben über die Siedlung, die erst ab ca. 1200 bis etwa 600 v. Chr. entstanden sein soll und bewohnt war. Die Nuraghe selbst entstand schon 1600 bis 1700 v. Chr.

Das Fossil war beeindruckt
und ist es noch immerSu Nuraxi - 3500 + :D

Alles kann man in einer Woche nicht sehen, Gräber der Feen „Domus de janas“, die es zu Tausenden geben soll, habe ich nur auf Hinweisschildern gesehen. Sie stammen aus vornuraghischer Zeit. Ebenso ging es mir mit den Riesen-Gräbern „Tomba di giganti“, die noch älter sind. Aufgeschoben ist jedoch nicht aufgehoben.

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