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Blasia, die Spaziergängerin

Oktober 18, 2006

Zurück aus dem Urlaub, hat es mich nicht sehr überrascht, dass mein Auto keinen Mucks mehr tat; mein Blick zum Lichtschalter war eine reine Reflexbewegung. Da ich ein sprichwörtlicher Glückspilz bin, kam auch flugs ein roter Radler(opel)engel daher, der anderen heimkehrenden Urlauber über die Tücken der Parkticket- maschine half und mir die Wartezeit ersparte. Wie es sich für einen Engel gehört, hatte dieser auch ein Startgerät für meine Batterie dabei. Also alles kein Problem. Der Engel war weiblich und hatte echt was drauf.

Frisch aufge(laden)pfrimelt stürzte ich mich in den oktoberlichen Putin-Stau und dachte mir weiter nichts dabei, als bei stop and go sämtliche Instrumente alle paar Minuten flackerten und abfielen, sondern führte das auf die mangelnde Stromversorgung zurück. Weit gefehlt. Donnerstag und Freitag hörte das unheimliche Rotlichtgeflackere nicht auf, selbst das Radio konnte ich nicht mehr aktivieren, denn es wollte noch nicht mal mehr von seiner eigenen Geheimzahl etwas wissen. Am Montag morgen begab ich mich samt der kränkelnden Karre zur Werkstatt, denn ich traute mich keinen Meter mehr fahren. Man glaubt es nicht: Bei Fremdstart und leerer Batterie kann so ein BMW einen solchen Schock kriegen, dass es den Bordcomputer wirft und alle anderen empfindlichen Teile gleich mit. Kompliziert bei der Angelegenheit ist, dass man nicht genau feststellen kann, um was es wirklich geht und was kaputt ist. Zu einfach wäre es, den Bordcomputer auszutauschen, denn einige Funktionen gehen ja noch, und was das kosten würde! Wie dem auch sei, den mechanischen Funktionen und selbst dem Einspritzmotor fehlen weiter nichts, und die Grossinvestition konnte erst einmal aufgeschoben werden. Inzwischen wurde Tüv geprüft und Abgas getestet, Inspektion gemacht und Reifen und Auspufftopf gewechselt.

Montag und Dienstag ging ich zu Fuss: Morgens drei Kilometer zum Bahnhof, danach genoss ich stundenlange wenig bequeme S-Bahn und Busfahrten zur Arbeit, die gerade mal 20 km von zu Hause entfernt liegt, dafür waren die Fahrpreise luxuriös. Gestern spätabends erbarmte sich ein Autofahrer und las mich auf in tiefdunkler Nacht, und heute morgen bekam ich mein Auto zurück.

Wenn man auf dem Land wohnt, ist ein Leben ohne Auto einfach nicht machbar. Alles ist kilometerweit verstreut, wie soll man zur Bank, zum Bäcker oder zum Supermarkt kommen und wer schleppt die ganzen Sachen?

Eines steht ausserdem fest, so viel Spass wie Blasius, der Spaziergänger, werde ich am Zu-Fuss-Gehen niemals haben, obwohl mir gestern morgen eine ausserordentlich gesunde Gesichtsfarbe bei der Ankunft im Büro attestiert wurde. Wach wird man allerdings durchs Gehen, das wohl, und man riecht und sieht mehr, vor allem beim Passieren der Kläranlage und der Hühnerzuchtfabrik.

Und Muskelkater kündigt sich an, links hinten.

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