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Mare tranquillo, vento debole, cielo sereno

Oktober 12, 2006

Ich hatte mir vorgenommen, meinen letzten Urlaubstag in vollen Zügen zu geniessen. An einem schönen Platz in der Sonne liegen, den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, etwas Nettes essen, Leute gucken – sowas alles. Zwar hätte es auch für einen etwas windigeren oder gar trüben Tag vieles gegeben, das ich nicht gesehen oder gemacht hatte, aber der Wetterbericht versprach einen warmen Tag, wenig Wind und ruhiges Meer – einen Strandtag.

Heute wollte ich nach Santa Teresa di Gallura, der nördlichsten Stadt Sardiniens und zum Capo Testa, der Stelle, an der sich Sardinien und Korsika am nächsten sind. Sarden und Sardinen haben in ihrer langen wechselhaften Geschichte viele fremde Herrscher gesehen: Phönizier, Römer, Sarazenen, Spanier, und (wen wunderts) Österreicher und andere hinterliessen ihre Spuren, und am Ende wurden sie zu Beute-Italienern. Santa Teresa wurde nach der österreichischen Gattin Viktor Emanuele I benannt. Bereits am Vormittag war die Stadt recht belebt. Offenbar sind doch in der näheren Umgebung der Costa Smeralda auch um diese Zeit noch mehr Touristen anzutreffen. Die Altstadt schmiegt sich um einen Berg, auf dessen Spitze die Kirche steht, die erste Kirche, die ich während dieser Reise besuchte. Ich erwartete italienisch-katholisch-pompöse Ausstattung, was mitnichten zutraf. Der Altarraum ist mit einfachen, buntbemalten, laubsägeartigen sakralen Figuren ausgestattet, durch ihre Schlichtheit wirklich ein bisschen anrührend. Die Kirche überragt den etwas tiefer Richtung Meer liegenden Sarazenerturm, von dem aus etwa angreifende Invasoren in Schach gehalten werden könnten.

In diesem Zusammenhang will ich unbedingt aufschreiben, was mir zu Beginn der Reise schon aufgefallen ist: Alle Gegenden und Orte, die ich gesehen habe, waren auffällig sauber, wie frisch gefegt. Keine Müllsäcke, keine Plastikflaschen, keine Hundekacke – bemerkenswert wie ich finde. Und in Italien gibt es ein Rauchverbot an öffentlichen Plätzen (auch Restaurants), das in Sardinien eingehalten wird. Ich habe oft Leute ein Lokal verlassen sehen, um draussen ihre Zigarette zu rauchen. In Süditalien war mir das im Frühjahr nicht aufgefallen. Dort wurde im Hotel munter geraucht.

Anschliessend machte ich mich auf zum Capo Testa, dem Punkt der Insel, der Korsika am nächsten liegt, aber nicht nur deshalb einen Besuch wert ist.
capo_testa1.JPG
Von den Steinfeldern aus kann man die schneeweise Küste Korsikas gut sehen. Hier sind die Granitbrocken besonders gross und ich wundere mich, welche Riesen sie so arrangiert haben konnten. Es sollen Römer gewesen sein.

capo_testa2.JPG

Geklettert bin ich auch ein bisschen, dabei ausgerutscht und hätte mir fast mein Handgelenk gebrochen, was davon kommt, wenn man anständiges Schuhwerk zwar dabei, aber nicht an hat.

capo_testa31.JPG

Die durch Wind und Wetter geschliffenen Felsen sollen allerhand Gesichter und Gestalten hervorgebracht haben. Ich war wohl nicht in der Stimmung, sie zu erkennen. Aber auch ohne diese Visionen war das Panorama beeindruckend.

Diese schöne winzige Bucht unterhalb der Felsfelder war für mich natürlich unerreichbar, so viel arbeiten wollte ich dann heute doch nicht. Wenn man allerdings ein paar Tage in der Gegend verbringt, könnte man durchaus mal in die Bucht absteigen und sich vielleicht von einem Boot wieder abholen lassen oder aber auch zurückklettern, warum nicht?

sta_teresa_baja.JPG

Nach Kultur und Landschaft wurde es Zeit für Entspannung. Ich entschied mich für die naheliegende Baia Santa Reparta, einen kleinen, felsengesäumten Sandstrand mit Sand auch im Wasser, das vollkommen klar war und viele Blauschattierungen aufwies. Ich hatte die Bucht zunächst für mich alleine, im Lauf des Nachmittag kamen zwar noch ein paar Leute, aber es war dennoch sehr viel Platz.

baia_reparta.JPG

Meine im Great Rift Valley gegen Kälte und Regen gekaufte Massaidecke begleitet mich seit mehr als einem Jahr an Sonnenplätze. Sie gibt mir die Illusion, ich könnte meine afrikanischen Leihkinder ein bisschen teilhaben lassen an dem schönen Leben, das ich manchmal geniessen darf, immer mal das eine oder andere mitnehmen, denn alle zusammen haben auf meiner Decke nicht Platz. Und so begann ich mich an diesem faulen sardischen Nachmittag auf zuhause zu freuen, wo Patenkinderpost aus Kenia warten könnte, die, wie ich wusste, inzwischen in Deutschland angekommen war.

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2 Kommentare leave one →
  1. szem permalink
    Oktober 21, 2006 12:56

    Wunderschön. Die Fotos sind echt klasse! Ich bin kurz aus London zurück. Tja, ist gar nicht so sonnig und warm da aber auch nicht so schlecht:-)

  2. Oktober 23, 2006 13:20

    Danke, szem. Ich könnte glatt ein Fotoblog aus dem weblog machen. 😉 Der London-Link funktioniert leider nicht. Gruss R.

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