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Costa Paradiso

Oktober 11, 2006

Nach dem morgendlichen Cappuccino und Brioche machte ich mich am strahlenden Montagmorgen auf durch lichte Korkeichenwälder, vorbei an interessanten Aussichtspunkten, vor allen Dingen in der Nähe von Aggius, wo interessante Steinformationen die Landschaft prägen. Deren Erkundung hob ich mir jedoch für später auf, denn mich rief das Meer. Einmal mehr hatte TG1 di Sardegna „mari mossi“ angekündigt. Aber am späteren Vormittag wehte lediglich ein leichter Wind und es war warm.

Isola Rossa ist der näheste Küstenort bei Tempio. Seine Küste ist von roten Porphyrfelsen geprägt, und eine Insel ist dem Ort auch vorgelagert. Über dem Ort thront ein gut erhaltener Sarazenerturm, der zu dieser Jahreszeit aber keine Funktion hat, denn der Ort war buchstäblich ausgestorben.

isolarossaporto.JPG

Einen Blick auf den kleinen touristischen Hafen gönnte ich mir noch, nachdem ich festgestellt hatte, dass weder Aussicht auf caffè besteht, von einem Mittagessen ganz zu schweigen. Supermarkt war ebenfalls geschlossen – ich hatte ganz vergessen, dass Montag war.

isolarossa.JPG

Also warf ich mich wenigstens ein Stündchen in menschenleeren Sand der kleinen Baja. Dieser Küstenabschnitt und nördlich davon heisst übrigens costa paradiso, was ich nur unterstreichen kann, vor allem wenn die Buchten einem alleine gehören. Von der Mossi Mari war nämlich nichts zu sehen.

Später frischte es allerdings deutlich auf und ich war ein bisschen im Zweifel, wie ich den Nachmittag verbringen sollte. Soll ich der Küste entlang nach Westen bis Porto Torres oder eher in östlicher Richtung fahren Richtung Santa Teresa, dem nördlichsten Punkt Sardiniens? Ich entschied mich für die Tour nach Westen.

castelsardo.JPG

Kurz nach Castelsardo, dessen malerische Kulisse ebenfalls von einer Sarazenerburg bewacht wird, übermannte mich unbegreiflicher Hunger. Schuld hatte vermutlich der Wind. Ich kehrte in einem Lokal nahe der Strasse ein, vor dem ein paar Autos standen, immer in der Hoffnung, nochmal so einen Glücksgriff zu tun wie am zweiten Tag in der Ogliastra. Ich ass mal wieder mittelmässig gut und übermässig teuer. Ich kann mich nur noch an zähen Tintenfisch erinnern, was in meiner eigenen Küche schon mal vorkommen kann, an solchen Orten aber nicht vorkommen darf. Caffè war gut wie überall während dieser Woche in Sardinien, molto ristretto, genau wie ich ihn mag.

Nette Küstenorte habe ich gesehen, wo sogar noch etwas Leben herrschte. In einem Ort habe ich ganz gross „Punto internet“ gelesen. Montag geschlossen – ich hätte es wissen müssen. An einigen kleine Buchten habe ich angehalten, aber alle waren zu windig. Überall hatte man die roten Fahnen für des Badeverbotes aufgezogen. Am Spätnachmittag übernahmen die Drachensurfer die Strände. Sie üben einen offensichtlich todernsten Sport aus, scheint mir. Obwohl ich ihnen ganz gerne zugesehen habe. Manche machen ja richtige Kunststücke, Drehungen und Schrauben kurz vor dem Auftreffen auf dem Sand. Dennoch eine merkwürdige Spezies. Normales Surfen ist offenbar out. Sehe ich das richtig?

Es war kein vertaner Nachmittag, denn ich gondelte ganz entspannt durchs Gelände und hatte es nicht eilig. Wieder einmal war ich unterwegs bis es dunkel wurde und konnte mich einmal mehr nicht sattsehen an den Lichtreflexen, die die untergehende Sonne in steiniges Gebirge zaubern kann.

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