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Salzburg für Arme

August 5, 2006

Nach dem grossen Fernseh-Auftrieb anlässlich Annas Hochzeit letzte Woche liess es der ORF gestern Abend etwas ruhiger angehen und übertrug die Zauberflöte aus Salzburg, leider zeitversetzt und sehr spät, vielleicht weil die Premierenkritik nicht gerade schmeichelhaft vor allem für die szenische Umsetzung war. Vielleicht war ich gerade in Stimmung für die Zauberflöte, ich habe sie auch nicht sehr kritisch, sondern selektiv angesehen und zugehört. Richtig Negatives kann ich nicht vermelden, allerdings hat es mich auch nicht so gefesselt, dass ich gebannt am Fernseher sass. Es war ziemlich bunt, das stimmt schon, aber warum denn nicht bunt? Und habe ich auch schon mehr gelacht, aber auch schon weniger. Zumindest der erste Akt war Singspiel, im allerbesten Sinne.

Nebenbei habe ich ein bisschen im Einstein geblättert, ob ich vielleicht etwas überlesen, vergessen oder neu interpretieren würde. Allzuviel gibt so eine Werkübersicht bei einem so riesigen Werk ja auch nicht her. Für die Zauberflöte bräuchte man eigentlich ein eigenes Buch. Jedenfalls unterstreicht auch der Einstein die Bedeutung des Werkes für die weitere Entwicklung der deutschen Oper. Ohne Zauberflöte gäbe es weder Oberon noch Freischütz, keinen Lohengrin und schon gar nicht Tannhäuser.

Aufmerksam beobachtet habe ich natürlich Diana Damrau als Königin, die ich schon so oft gesehen und gehört habe. Bei ihr, aber nicht nur bei ihr, ist mir aufgefallen, wie telegen sie singen kann, d.h. sie singt höchstschwierige Koloraturen und ihr Gesichtsausdruck ist weder schmerzverzerrt noch angestrengt, sondern drückt das aus oder unterstreicht, was sie singt. Ihr gehört die Zukunft, das kann man heute schon sagen.

Ein Vorteil der muttersprachlichen Sänger ist die gute Textverständlichkeit, denn der Text gehört zur Zauberflöte einfach dazu, so altmodisch er auch manchmal klingen mag, er ist ein Teil der Komposition, ganz besonders in den Szenen Sarastro und Sprecher. Merkwürdig; so eine Oper begleitet einen im günstigen Fall sein ganzes Leben, zumindest ab dem Schulkindalter, und man wird ihrer vielleicht sogar niemals überdrüssig. Während ich früher die Frau Königin richtiggehend hasste, irgendwann einmal selbst eine der drei Damen sein wollte und mich kaputtlachte über Papageno und Papagena (alles sehr lange her – damals meinte ich noch, Hermann Prey hiesse im wirklichen Leben Papageno), haben mich Pamino und Pamina nie so sehr interessiert. Und heute interessiert mich besonders die Beziehung Sarastro – Königin, die auf der Bühne gar nicht stattfindet. Den Sarastro gab gestern René Pape. Nach dem kürzlichen, nun auch offiziellen Bühnenabschied von Kurt Moll, nachdem in letzter Zeit bereits alle Auftritte in München abgesagt wurden, hatte ich dauernd seine Interpretation in den Ohren und Augen. Ich dachte mir, dass es einmal ganz interessant wäre, die unterschiedlichen Interpretationen der Rolle des Sarastro zu untersuchen. Vielleicht hat das ja auch schon jemand gemacht.

Natürlich klingt es aus dem TV Lautsprecher anders als direkt im Theater. Das in der Premierenkritik bemängelte „Zudecken“ der Sänger durch das Orchester kann ich nicht bestätigen. Die „Zurückhaltung“ des Orchesters fand ich durchaus dynamisch und dem Spiel auf der Bühne dienlich, und da sich Riccardo Muti nach eigenem Bekunden die Zauberflöte zum Geburtstag geschenkt hat, sollte man auch nicht zu viel Arbeitaufwand von ihm erwartet haben. Vielleicht hat jemand gesehen, dass er in einer langen Sequenz des dritten Aktes den Stab überhaupt nicht gehoben und die linke Hand nur sehr sparsam benutzt hat. Das ginge also auch ohne Chef. LOL. Nein, nein, das war als Fernsehübertragung schon sehr in Ordnung so wie es war.

Vielleicht sollte ich mir auch mal eine Salzburg Aufführung zum Geburtstag schenken – wenn der Muti das kann …

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