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Auf dem Weg zur Arbeit

April 30, 2006

Seit meine Firma nach Karlsfeld umgezogen bin, fahre ich morgens meistens durch die Theodor-Heuss-Strasse. Mal ganz abgesehen davon, dass ich mich schon oft gefragt habe, warum denn so eine breite, kerzengerade Doppelallee mitten durch Dachau-Ost führt, wo sie eigentlich gar nicht so recht hin passt, ist mir gerade in diesem Jahr bewusst geworden, wie wunderschön die unterschiedlichen jungen Grüns der Bäume sind in diesen Tagen. Jedenfalls bin ich wohl ab und zu langsamer als üblich gefahren und habe mehr links und rechts geschaut, und da fiel mir letzte Woche eine Bronzeplastik auf, gleich zu Beginn an der Einmündung in die Sudetenlandstrasse, die ich nie zuvor wahrgenommen hatte. Es musste ein KZ-Mahnmal sein, das konnte man an der Haltung der abgebildeten Figuren erkennen. Am Donnerstag früh hielt ich an und las die Inschrift: „Hier gingen noch in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 Tausende von Konzentrationslagerhäftlingen auf ihrem Leidensweg vorbei auf dem Weg ins Ungewisse.“ Die Gestaltung des Mahnmals ist beeindruckend, aber der Text irritierte mich: Die Häftlinge können dort eigentlich nicht vorbeigekommen sein, denn der Weg führt weg vom KZ, und die Formulierung war mir auch zu verwaschen, denn sie gingen in den Tod, dachte ich.
Gestern nun fand ich heraus, was ich bisher nicht wusste, nämlich dass es sich hierbei um das erste von insgesamt siebzehn ähnlichen Todesmarschmahnmalen des Bildhauers Hubert von Pilgrim handelt, die an der Strecke zwischen Dachau und Bad Tölz aufgestellt wurden, um die Erinnerung wachzuhalten an die Tausende Menschen, die kurz vor Kriegsende von der Lagerverwaltung auf einen Todesmarsch durch das Würmtal Richtung Süden geschickt wurden, damit sie von den anrückenden alliierten Truppen nicht befreit werden konnten. Am 29. April 1945 befreiten die Amerikaner das Lager.

Heute abend fand an der Bronzeplastik eine Gedenkfeier statt,Bürgerinitiative Gedenken Todesmarsch Dachau uebersicht.jpg

Dazu fällt mir ein, dass ich es sehr sinnvoll finde, dass in Bayern Geschichte nun wieder bis zum Abitur Pflichtfach ist.

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