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Der fliegende Holländer am 8.3.2006

März 9, 2006

Trotz einmal mehr widriger Wetterbedingungen schaffte ich es in die gestrige Vorstellung, und einmal mehr wurde ich nicht enttäuscht. An dieser Inszenierung von Peter Konwitschny ist nichts, aber auch überhaupt nichts auszusetzen. Eine Vorstellung, die man jedem empfehlen kann, der das Glück hat, bei der nächsten Aufführungsrunde an Karten zu kommen; kein Euro wird einem leid tun.

Eigentlich müsste jetzt der übliche Lobgesang des musikalischen Gehaltes des gestrigen Abends beginnen, da weiss ich allerdings gar nicht wo ich anfangen soll. Gesungen haben Matti Salminen den Daland, Anja Kampe die Senta, Stephen Gould den Erik, die Mary Heike Grötzinger, Kevin Connors den Steuermann und Juha Uusitalo gab den Holländer. Es wurde auf allen Positionen phänomenal gesungen, natürlich sind Senta und Holländer exponierte Rollen, sie hervorzuheben wäre aber unfair gegenüber Matti Salminen, Stephen Gould und den anderen. Einzig der Chor hätte etwas präziser artikulieren können, aber das ist fast schon unziemliche Kritik wegen der tollen Gesamtleistung.

Adam Fischer dirigierte. Vor mehr als 20 Jahren habe ich ihn zum ersten Mal in München gesehen, damals übernahm er als ganz junger Dirigent Aufführungen von Karl Böhm und später war er Einspringer für Carlos Kleiber, und wir waren immer enttäuscht – natürlich, wie auch nicht – heute hat er schon eine beginnende Glatze und setzt sich zwischendrin schon auch mal hin. Selbst an Dirigenten sieht man also, dass man selbst wohl alt werden muss.
Ich bin nun nicht die grosse Wagnerkennerin (unbeleckt von Ring, Tristan und Parsifal), Wagner gehört auch nicht zu meinen Lieblingskomponisten, und daher kann ich die Interpretation nicht wirklich fachlich fundiert beurteilen. Adam Fischer baute einen Spannungsbogen vom ersten Vorspiel bis zur Niederlegung des Stabes kurz vor Ende als das Tonband die Schlusssequenz übernahm. Mich hat die gesamte Aufführung atemlos zurückgelassen. Nicht nur wegen des Knalls als Senta mit der Explosion des Löschkalkfasses die Welt untergehen liess.

Einen Hinweis für die Ernsthaftigkeit, mit der alle ans Werk gehen würden, war der Konzertmeister, der doch tatsächlich vor Beginn der Ausführung an seiner Partitur Ausradierungen vornahm, als solle alles Störende entfernt werden, ehe es losgeht. Oder der Mann an der Pauke, der immer dann, wenn er nicht zum Einsatz kam, die Häute seiner Pauken streichelte oder die Stimmung prüfte, um ja keinen Misston zu erzeugen. Das sind so Gründe, warum ich so gerne oben sitze, denn sowas vom Parkett aus sieht man so etwas nicht.

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