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Boy house

Januar 30, 2006

Es ist tatsächlich zustandegekommen. Aus der ursprünglich für maximal 6 Jungs geplanten Grundausrüstung wurden (ohne mein Wissen und Einverständnis) Betten, Matratzen, Bettzeug, Tische, Stühle, Töpfe, Besteck, Teller und Tassen für sage und schreibe 12 Jungs angeschafft. Elf davon wohnen bereits im Boy House, das eigentlich nur eine Etage, bestehend aus 3 Zimmern, in der Nähe der Schule ist. Jetzt beginnt die Feilscherei um die laufenden Kosten, denn natürlich essen zwölf mehr als sechs, und man muss schon sehr genau achten, dass die Kosten überschaubar bleiben und man sich selber durch die vollendeten Tatsachen nicht zu sehr unter Druck setzt.
Einen Wochenspeiseplan habe ich auch schon erhalten. Einsparen kann man da relativ wenig, denn er ist schon bescheiden. Mittags überwiegend Reis und Bohnen, abends Ugali mit Bohnen oder Gemüse. Einmal in der Woche Ei zum Ugali am Abend, donnerstags Fisch und samstags Fleisch, wobei ich aus eigener Erfahrung weiss, dass es beim Fisch und Fleisch sich mehr um eine Sosse handelt, die zum Ugali gegessen wird. Hungern werden sie jedenfalls nicht, denn drei regelmässige Mahlzeiten hatten wohl die wenigsten von ihnen bisher.
Es handelt sich um 16 – 19jährige junge Männer, die in alle vier Klassen der secondary school gehen. Bis auf einige wenige habe ich alle kennengelernt und halte sie von ihrer Persönlichkeit, soweit ich das einschätzen kann, für geeignet, in so einer Wohngemeinschaft zu leben. Ich glaube, sie wissen die Chance, die ihnen geboten wird, sehr wohl zu schätzen. Nichtsdestotrotz halte ich es doch erforderlich, für eine gewisse Aufsicht zu sorgen und habe den Schulleiter gebeten, sich darüber Gedanken zu machen.
Ich habe Glück, denn zwei Freunde (der Vorstand unseres Patenvereines hier in Deutschland) sind gerade vor Ort und haben sich bereit erklärt, mein Projekt zu begutachten bzw. sich kritisch anzusehen.

Warum Jungen?

Nun könnte man sich fragen, warum jemand angesichts des herrschenden Hungers, der u.a. derzeit auch in Kenia herrscht, nicht Kleinkinder und Babies füttert sondern Halberwachsene, die doch schon selbst für ihren Unterhalt sorgen könnten. Dazu muss ich ein bisschen ausholen. Wie wir in unseren beiden Schulen beinahe täglich erfahren, ändern sich die familiären Verhältnisse unserer Schüler oft unvorhergesehen mit fatalen Folgen für das ganze Leben der Jugendlichen. Durch Aids-Tod eines oder beider Elternteile hintereinander, durch Arbeitslosigkeit des Verwandten oder Guardians, bei dem sie leben; die ältere Schwester, die nach dem Tod der Mutter für sie sorgte, heiratet und der Mann duldet den Bruder/Schwester nicht im Haus; sexueller Missbrauch durch Verwandte oder Guardians – die Gründe sind vielfältig und führen ohne Hilfe zwangsläufig zum Verlassen der Schule und zu einem Leben auf der Strasse oder zur Rückkehr upcountry ohne Chance, jemals ein selbstbestimmtes Leben führen und eine Familie ernähren zu können.
In Kenia gibt es auch nicht annähernd eine Berufsausbildung wie wir sie kennen. Um überhaupt eine Chance zu haben, verlangt das dortige Bildungssystem den Durchlauf durch die (kostenpflichtige) Secondary Education nach der Grundschule. Erst dann hat man die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen, was gemeinhin nur an Colleges vermittelt wird, die wiederum sehr teuer sind. Viele junge Leute suchen sich nach der Secondary eine Arbeit und verdienen sich das Geld für den abendlichen und samstäglichen Collegebesuch. Nur die besten Absolventen der Secondary Schools haben eine Chance, ein staatliches Stipendium zu erhalten. Zur Zeit ist eine Note besser als B+ dafür erforderlich.
Mittelfristig gesehen ist dieses „Füttern“ der Halbwüchsigen also nichts anderes als das Sicherstellen und Ermöglichen von Ausbildung.
Warum nun aber gerade Jungs und keine Mädchen? In einem Land wie Kenia und in der Umgebung, in der sie sich bewegen, halte ich ein solches Projekt für Jungen für erfolgversprechender. Ausserdem haben sie in diesem Alter fast keine Chance, eine zusätzliche Unterstützung zu bekommen im Gegensatz zu Mädchen: sie sind nicht niedlich genug. Leider ist das so.

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