Skip to content

Vorabend-Oper

Dezember 24, 2005

Vorabend-Oper Letztes Jahr war es die Weihnachts-Bohème. Heuer war es Weihnachts-Serse (Xerxes). Viereinhalb Stunden Händel (Teekesselchen) mit 2 Pausen, also Reinmusik dreieinhalb kurzweilige Stunden. Köstlich. Aber später mehr, denn ich bin müde. 24.12., einmal darüber geschlafen Es war meine erste Händel Oper, ich muss das zu meiner Schande gestehen, obwohl es in München seit der Intendanz von Sir Peter mehrere Produktionen gibt, die hochgelobt werden. Ich ging gestern eigentlich nur wegen Ann Murray, deren kultivierte Stimme und ihre Art des Spielens ich sehr mag. Ich kenne sie als Sängerin seit ihrem München-Debüt als Cherubino vor vielen Jahren. Die Vorstellung fing merkwürdig an. Langsam fanden sich die Zuschauer ein, die Bühne war offen, Diener oder wie sich später herausstellte, eher Sklaven, fegten mit hängenden Köpfen und Schultern die Bühne. Man hätte ihnen gerne etwas Feuer unter den Hintern gemacht. Irgendwann klingelte es ein paar Mal, der Dirigent fand sich ein (er schlich sich eher herein), die Leute suchten weiter munter ihre Plätze und unterhielten sich, während die Ouverture begann. Selbst die Logenschliesser schienen Teil der Inszenierung zu sein, denn die Türen blieben noch eine Weile offen und selbst das Licht blieb an, bis alle da waren und sich alles beruhigt hatte. Man wird sich vielleicht fragen, wie blöd man sein muss, sich so eine lange (weilige) Barockoper anzutun, in der so gut wie nichts passiert. Auf die hypothetische Frage würde ich antworten, wer nichts wagt, der nicht gewinnt. Ich gewann die Erkenntnis, dass mit Witz und Phantasie, mit gut umgesetzten Showeffekten ein vermeintlich langatmiges Werk kurzweilig umgesetzt werden kann. Die Musik an sich verliert dabei keineswegs, ganz im Gegenteil. Händels Langatmigkeit kriegt Akzente und Leben, sie wird herausgehoben, das war für mich auch so ein Aha-Effekt. Man hat Zeit zu hören und zu entdecken, bespielsweise Banu Bökes instrumental geführten Sopran (sie war als Romilda eingesprungen), der sich zeitweise wie eine der Violine anhörte. Christopher Robsons Counter nervte mich etwas, er kräht inzwischen mehr als er singt. Leider wird auch auch in der Silvester-Fledermaus wieder zugange sein. Wunderbar auch Margarita die Arellano, deren Rolle der Atalanta ein Selbstläufer ist . Kostüm und Anlage der Rolle sind genial und die Stimme passt auch. Natalie Stutzmanns Kostüm als sitzengelassene Amastre war zwar keine Augenweide, dafür war das Duett mit Serse ein Ohrenschmaus. Über allem aber strahlt Ann Murray, sie singt und spielt diese Hosenrollen so wunderbar geschmackvoll, ihresgleichen wird man zur Zeit kaum finden. Der einzige erkennbare „stimmliche“ Mann in dem Verwirrspiel der Geschlechter war Christian Rieger als Elviro, aber selbst er trug zwischendurch mal Frauenkleider. Er war auch der Einzige, der nicht betrogen wurde. Harry Bicket dirigierte den Abend übrigens. Heftiger, animierter Beifall, der eine und ander Darsteller und Musiker bedankte sich als Weihnachtsfrau oder Weihnachtsmann dafür. Das verworrene Geschehen und fachkundige Rezensionen kann man auf der Nationaltheater-Seite nachlesen. Nur knapp verkneifen konnte ich mir den Erwerb des Livemitschnitts von 1997 , kostet immerhin 38 Euronen, und ich wollte erst einmal das Ende abwarten, ob es mir dann immer noch gefiele. Es hat. Aber das schrieb ich schon gestern abend.

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: