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Ungeplant

Oktober 10, 2005

Es muss der vierte Tag gewesen sein, der so chaotisch war. Eigentlich hatten wir bereits geplant, wie der Tag ablaufen sollte. Jedoch kam alles anders, als C. ein Mädchen aus dem Boarding, in dem auch Margaret und Rose leben, mit bedrohlichen Symptomen anbrachte. Sie war vor kurzem schon einmal krank und wir beschlossen, sie sofort in das Krankenhaus zu bringen, in dem sie damals schon behandelt wurde. Ich sollte sie und C. begleiten, der Direktor fuhr uns hin. Es war ein Sikh-Krankenhaus, zuerst dauerte es eine Weile, bis die Formalitäten erledigt waren, die alten Unterlagen und Röntgenaufnahmen gefunden waren. Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Verantwortlichen der Schulen sich um die Kinder kümmern. Das geht weit über das hinaus, was von einem Lehrer oder einem Schuldirektor erwartet werden kann. Auch hier erhielten wir eine Diagnose, Ratschläge, ein Rezept und mussten lediglich einen geringen Verwaltungsbeitrag, die Blutabnahme und die Medikamente bezahlen. Das Mädchen erholte sich langsam, wir gingen zum Mittagessen in ein richtiges Restaurant auf den Schrecken hin und beschlossen dann, in der Stadt zu bleiben und einige wichtige Dinge zu erledigen. Nun wurde mir auh klar, warum ich zu dem Krankenhaus mitfahren sollte. Wir setzten C. und M. in einem grossen Einkaufszentrum in der Innenstadt ab, wo wir auch in der Tiefgarage parkten, nachdem wir aussen keinen Platz fanden. Sie sollten einige Dinge einkaufen, die man in Kayole nicht kriegt, unter anderem auch in eine richtige Apotheke gehen, denn wir hatten Rezepte für andere Kinder mit, die in den Nakumatts nicht zu kriegen waren. Der Direktor und ich machten uns auf den Weg zur Distriktregierung, ein ca. 30stöckiges Hochhaus in der Stadtmitte. Dort wollten wir das Amt aufsuchen, das für die Überwachung der informellen Schulen zuständig ist und versuchen, ob es unter Mitnahme einer Weissen, die extra aus Deutschland gekomen ist, möglich ist, einen Termin bei der zuständigen Beamtin zu bekommen. Die Sekretärin versuchte uns (natürlich) abzuwimmeln, ihre Chefin habe Besuch. Die Dame war noch nicht mal zu bewegen, ihren Besuch kurz zu unterbrechen und guten Tag zu sagen, liess uns jedoch gnädigerweise durch die Sekretärin ausrichten, dass sie in der kommenden Woche die Secondary besuchen würde, und dann würden all die offenen Punkte erledigt. Welche der kommenden Wochen sie meinte, blieb offen. Meines Wissens war sie bis heute nicht da. Unser Besuch führte uns abschliessend zur Zentralpost. Das Untergeschoss des Gebäudes ist eine Anzahl von Bunkern mit Tausenden von Postfächern. So etwas habe ich noch niemals gesehen. Da es quasi keine Postadressen gibt und Post nicht zugestellt wird, hat jedermann (der es sich leisten kann) ein Postfach. Ich habe Leute in der Maasai Mara kennengelernt, die allen Ernstes ein Postfach in Nairobi besitzen. Wir erhielten die Schulpost, zwei grosse Säcke, und holten mehrere grosse Briefe ab, die der Zoll geöffnet hatte. Einen der Säcke musste ich natürlich schleppen bis zu unserem Auto. Das würde ich den Paten, die so viel schicken, auch mal wünschen! LOL Im Supermarkt trafen wir C. und M. noch immer in der Apotheke wartend, obwohl wir mindestens zwei Stunden weg gewesen waren. Eines der Medikamente, das sehr teuer war, musste aus dem Grosshandel im Sarit Center gebracht werden. Anschliessend besuchten wir natürlich noch alle gemeinsam den grossen modernen Nakumatt in diesem Einkaufszentrum. Er unterscheidet sich von keinem Einkaufszentrum der Welt. Unterscheidlich sind nur die Preise für Grundbedürfnisse, sie sind nach unserem Verständnis niedrig, und man kann für umgerechnet 100 Euro ein Auto voller Mehr, Zucker, Milch, Brot, Fett, Bohnen, Seife, Hygieneartikel kaufen. Eine kleine Tüte Schokolade aber als kleine Draufgabe kostet 20 Euro. Hier sind die Preise wie bei uns.

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