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Besuch bei Fidelis

Oktober 10, 2005

Nach dem Besuch bei Jane’s Mutter ging ich mit der Grundschulleiterin quer durch Soweto zum Haus meines Patenmädchens Fidelis. Unterwegs wurden wir sehr freundlich gegrüsst, Angst hatte ich keine Minute, heute würde ich auch alleine durchgehen, es würde mir sicher nichts passieren, da sich sehr schnell herumspricht, wer man ist. Der Direktor der Secondary hatte vorher in Fidelis Haus schon zwei grosse Säcke mit Grundnahrungsmitteln abgeladen. Das Haus (gemauert) liegt am Eingang des Slums, nahe am Markt. Fidelis wusste, dass wir kommen würden. Sie war mit ihrem kleinen Bruder alleine zuhause. Auf einem Sack in dem einzigen Raum des Hauses lag ein Baby und schrie. Der Raum, etwa 3 x 3 m gross, war zu einem Drittel mit einem CocaCola-Vorhang abgeteilt, dahinter lagen jetzt die Vorräte und dahinter war auch das Schlaflager für die Eltern – Fetzen auf dem Boden und Fetzen zum Bedecken. Vor dem Vorhang, gegenüber der Eingangstür, das Lager der fünf Kinder, ebenfalls Fetzen auf dem Boden. Als Kochöfen dienen in Kenia gusseisserne Töpfe, die im unteren Teil die Holzkohle aufnehmen, auf die man dann den eigentlichen Kochtopf aus Aluminium stellt. Der „Ofen“ der Familie war zerbrochen, so dass die gekaufte Milch für die Kinder noch nicht mal heissgemacht werden konnte. Ich wusste, dass die Familie sehr bedürftig ist, hatte aber nach den letzten Fotos aus der Einwegkamera doch so meine Zweifel – der Coca Cola Vorhang, die gemauerten Wände und der Betonboden liessen das Haus grösser erscheinen als es ist, dazu die Familie (auf geliehenen Stühlen wie ich jetzt weiss) mit stolzem Gesichtsausdruck (so sind wir Kenianer, sagte Carolyne, die Armut soll man uns nicht ansehen). Ich war entsetzt. Wir baten Fidelis, das Haus nicht zu verlassen, bis die Mutter zurückkäme, damit die Lebensmittel nicht gestohlen würden. Am nächsten Tag sass ich im Büro der Schule, als man mir sagte, Mama Fidelis sei da. Ich erkannte die junge Frau in dem blauen Blümchenkleid sofort. Das Kleid kannte ich von dem Coca Cola Foto, nur dass es dort nagelneu aussah und in Wirklichkeit zerlumpt war. Auf dem Kopf trug sie ein reinweisses Tuch, wahrscheinlich weil sie zu anderen Leuten geht um deren Wäsche zu waschen. Sie bedankte sich für alles. Ich hatte vorher zusammen mit der Schulleiterin besprochen, für die Familie Matratzen und Bettzeug sowie einen „Ofen“ zu besorgen. Das sagten wir Mama Fidelis und sagten ihr auch, dass das eine einmalige Sache sei. Sie solle sich mit ihrem Mann beraten solle, der zuerst die Familie verlassen hatte, dann aber wieder zurückgekehrt ist, ob sie durch einen Mikrokredit evtl. ein kleines Business anfangen könnten, um ihre Familie in Zukunft zu versorgen. Ich bin gespannt, wie sich das entwickeln wird. Fidelis bekommt für den Rest dieses Terms erst einmal ein Schulessen, das sie sich mit ihrem Bruder, der auch zu uns geht, teilen wird.

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