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Nochmal Fledermauseln

Januar 3, 2005

Auszug aus Merkur Online – München:

Intendant mit Aussicht

Es war eine Vorstellung der nicht ganz gewöhnlichen Art: die Silvester-„Fledermaus“ im Münchner Nationaltheater. Neben gewohnt guter Besetzung in den Solopartien – Gabriele Fontana als Rosalinde, Thomas Allen als Eisenstein, Diana Damrau als Adele und Jörg Hube als Frosch – wurden dem letzten Tag im Jahr angemessen allerlei Extras geboten. Bei ihrem Abstecher ins Klassikfach sahnte erwartungsgemäß natürlich wieder die Biermösl Blosn ab.

Von ganz neuer Seite zeigte sich seinem Publikum der Chef des hohen Hauses: Peter Jonas demonstrierte in einer tollen Tanznummer seine besondere Form der Leidensfähigkeit und bewies als Fakir, dass einem um ihn, einen Mann mit Aussicht, nicht bange sein muss für seine Nach-Intendantenzeit. Derart erheiternd entließ die Staatsoper schließlich ihre Zuschauer ins Jahr 2005.

*****

Aus der AZ:
„Fledermaus“ im Münchner Nationaltheater
„Von Leander Haussmanns ungeliebter Inszenierung von 1997 ist nur noch die Ausstattung übrig. Die überarbeitete Regie soll von Helmut Lehberger stammen, in Wirklichkeit ist es ungeordneter Traditions Unsinn frei nach Otto Schenk. Die witzige Handlung interessiert die Beteiligten nicht wirklich. Warum auch viel Mühe verschwenden, wenn die Uralt-Kalauer besser ankommen als präzise Situationskomik und musikalischer Witz. Wie routiniert agiert wird, macht spätestens die auch schon rituelle Einlage der Biermösl Blosn auf dem Orlowskys Fest schmerzlich deutlich. Im Unterschied zu den Sängern bringen die Well Brüder aber komisches Timing in die „festlich geschmückte Mehrzweckhalle“ des Nationaltheaters. Die
üblichen Verdächtigen zwischen Hohlmeier, Stoiber und Ude werden in Gstanzl’n abgewatscht. Später
tanzen sie einen Schuhplattler zu Verdis „La donna e mobile“. Und Fakir Sir Peter Jonas lässt sich von der
Schlange Beate Vollack verführen und sublimiert seine Erregung durch einen sensationellen Kopfstand.
Auf den Exzess folgt der Kater, das ist die Moral des letzten Akts. Leider auch im Nationaltheater, denn Jörg Hubes Frosch-Auftritt wäre bei halber Länge doppelt witzig. Die Vorjahres-Witze zur Gesundheitsreform sind noch frisch, aber der Brioni- Kanzler wird langsam ranzig. Und auf Merkel-Witze
mag kein Kabarettist verzichten. Diana Damrau brannte als Adele ein furioses Silvesterkoloraturfeuerwerk
ab und überzeugte auch als Komödiantin. Fast auf dem gleichen Niveau die Rosalinde von Gabriele Fontana. Christoper Robsons Counter- Orlowsky ist dagegen nur noch witzig und Thomas Allens Eisenstein eine Spaßbremse. Dirigent Alexander Joel hielt alles routiniert zusammen.“
AZ vom 03.01.05 R.Braunmüller

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