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Carmen an der Deutschen Oper

September 19, 2004

„…Carmen gehört niemandem, als
nur sich selber, immer und ewig“

(aus: „Carmen“ von Prosper Mérimee)

Die Deutsche Oper zeigte eine Wiederaufnahme einer Inszenierung nach Peter Beauvais. Das Bühnenbild naturalistisch, nichts gezwungen modernes Hineininterpretiertes, auch nicht bei den Kostümen. Ich fand es sehr passend zum Stoff. Juri Märkl dirigierte, allerdings sorgte ich mich etwas zu Beginn; die Ouverture klang für meine Ohren nämlich etwas nach Radetzymarsch. Das verlor sich dann aber im Laufe der Aufführung, weil das Geschehen auf der Bühne die musikalische Darbietung aus dem Graben vergessen machte.

Carmen war nämlich Agnes Baltsa, die trotz ihres Alters eine hinreissende Carmen gibt (ist). Darstellerisch ist sie einfach umwerfend, verführerisch, ordinär, leidend, liebend – einfach alles. Die leichten Interpretationsmängel bei der Habanera beispielsweise, in der doch Probleme bei den Koloraturen zu registrieren waren, gehen daher einfach unter. Nach wie vor hat sie eine Riesenstimme, die sie rücksichtlos gegen sich selbst einsetzt. Dennoch dürfte sie stimmlich den Zenit überschritten haben. Ihre Sprechstimme fand ich übrigens ausgesprochen jung klingend.
Michaela Kaune gab eine mädchenhaft ausdrucksstarke Micaela; sie sang bewegend “schön” (im Gegensatz zur griechischen Primadonna). Julian Gavin, den ich bisher noch nie gehört hatte, auch nicht kannte, war der Tenor des Tages, der klarerweise bejubelt wurde, Tenöre singen ja bekannterweise besser als alle anderen Stimmen. Escamillo war Laurent Naouri, mir bisher auch unbekannt.

Unbedingt erwähnen muss ich die Schöneberger Sängerknaben; die fantastisch sangen und spielten, es gibt also auch noch eine Welt neben der “Tölzer”.

Kurzer heftiger Applaus, Bravi für Baltsa, Kaune und den Tenor, das Publikum wollte nach Hause oder in die Kneipe – es war schon 23.30 Uhr. Schade eigentlich; ich mag mich nach schönen Aufführungen immer nicht trennen.

Carmen in der gleich Besetzung gibt es noch am 21. und am 26.9., am 3. und 9. Oktober singen andere Hauptdarsteller.

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