Fragt mich doch nicht! Alles Lohengrin.

Juli 5, 2009

rsys_28209_4a507f5cd786d Nach der heutigen Festspiel-Premiere bin ich fein heraus. Da mein Platz nur eine sehr eingeschränkte Sicht auf die Bühne zuliess, kann ich mich mit einem Kommentar zur Inszenierung erst einmal zurückhalten bis nach meinem zweiten Besuch nächste Woche. So viel schon mal vorweg: Dem Gedanken, die Lohengrin-Geschichte mit der Errichtung eines Hauses zu verbinden, kann ich durchaus etwas abgewinnen. Auf die Umsetzung kommt es halt an, und der Teil, den ich sehen konnte (Bühnenbild, Chor und Statisten) liess nicht gerade logische Schlüsse zu. Die Aktionen der Hauptpersonen und ihre Interaktionen blieben mir leider grossteils verborgen.

Nachdem ich von hysterischen Jonas-Kaufmann-Anhängerinnen flankiert war, die das Stehplatzbankerl schier aufgearbeitet haben vor lauter Anstrengung, das Objekt ihrer Begierde zu sehen, habe ich mich zurückgelehnt auf’s Hören verlegt. Was keine schlechte Entscheidung war.

Für heute abend einen Eindruck in Kürze.
Wie bei Nagano schon gewohnt, ging er die Partitur analytisch an, mit sensibel ausmusizierten Orchesterstimmen, gerade noch hörbaren Piani, und grandiosen Steigerungen. Phänomenal fand ich den ersten Akt, in dem er in einem großen Bogen die Spannung bis zum Ende kontinuierlich steigerte. Der sehr gute Orchesterpart war der Garant für das musikalische Gelingen des Abends.

Herausragend, einfach sensationell gelang Anja Harteros Rollendebüt als Elsa. Jonas Kaufmann gab einen lyrischen Lohengrin und sang eine unter die Haut gehende Gralserzählung. Bei ihm möchte ich gerne noch mal genauer hinhören, bei den langen mezza voce gesungenen Passagen hörte ich leichtes knödeln (oder was war das sonst?). Auffallend gut fand ich Wolfgang Koch als ausdrucksstarken Telramund und den Heerrufer Evgeny Nikitins. Bemerkenswert diszipliniert sang der präzise vorbereitete Chor.

Am Ende stand der Buhsturm für das Regieteam um Richard Jones, gegen den sich das applaudierende Publikum nicht durchsetzen konnte. Heftige Proteste gegen die Regie gab es nach jedem Akt. Und Herr Bachler schaute am Ende äusserst irritiert aus seiner Loge auf das aufgebrachte Publikum in den oberen Rängen. Die Galerie darf sich wohl in Kürze wieder mal auf des Intendanten Hausbesuch einrichten.

Einhelliger großer Beifall dagegen für die Sänger, Nagano und das Orchester.

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