Maria Stuarda am Teatro Massimo Bellini Catania

März 22, 2009

Vergnuegen bereitete am heutigen Abend nicht nur das wunderschoene Opernhaus mit seiner plueschigen Ausstattung. Auch das musikalische Angebot war hoechst bekoemmlich. In einer aus Luettich (ist das Liège?) uebernommenen Inszenierung von Maria Stuarda (Einheitsbuehnenbild mit sehr schoenen historisierenden Kostuemen, gute Lichtregie) sang LAURA POLVERELLI nach anfaenglich etwas breitem Vibrato eine furiose Elisabetta. Von dem Tenor CELSO ALBELO habe ich noch nie gehoert. Er scheint recht jung zu sein. Den Roberto Leicester interpretierter er mit leichter Stimme, klang ein bisschen nach Naturstimme. Sein geschmackvoll eingesetztes messa di voce und die freie unforcierte Hoehe liessen sich hoeren.
Mit endlosem Atem und wahren Zaubertoenen beglueckte MARIELLA DEVIA als Maria Stuarda. Mir kam es vor, als wuerden die hoeher liegenden Toene sogar besser gelingen als manche Koloratur. Vielleicht ist meine Beschreibung so kurz nach dem Erlebnis falsch, aber mir war, als klaengen die ganz hohen Toene unendlich weich. Ich finde es sehr schade, dass man so weit reisen muss, um Mariella Devia zu erleben. Sie ist ueberhaupt keine Koloraturmaschine ohne kuenstlerischen Ausdruck, wie ihr manchmal nachgesagt wird. Ich fand sie trotz der sparsamen Gesten als Maria sehr bewegend. Ueberhaupt fand ich die Personenregie zwischen den beiden Koeniginnen gelungen, auch das Zusammenspiel mit Leicester. Zum Chor ist dem Regisseur leider nicht viel eingefallen, der sich allerdings sehr gut präpariert präsentierte.
Die beiden weiteren Maennerrollen waren sehr gut besetzt mit PIERO TERRANOVA (Lord Cecil) und CARLO CIGNI (Talbot). ALESSANDRA PALOMBA sang ausdrucksvoll die treue Anna . Die musikalische Leitung des Abends lag in den Haenden von ANTONINO FOGLIANI, der sehr saengerfreundlich dirigierte.

P.S. Dank der unermüdlichen Youtubeler gibt es einen Mitschnitt aus „Loggione“, einer Opernsendung des italienischen Fernsehens. Der aufgezeichnete Ausschnitt der Gebetszene stammt aus der Generalprobe, in der Mariella Devia den berühmten langen Ton in der Endphase nicht ganz „ausgekostet“ hat, d.h. sie brach das letzte Anschwellen des gehaltenen Tones ab. In der Sonntagsvorstellung war diese Sequenz atemberaubend für die Zuhörer.

Danke an Deviafan für das Video.

Entry Filed under: Klänge, sicilia. .

2 Comments Add your own

  • 1. theodor.adorno  |  März 23, 2009 at 01:38

    Deine Beschreibung ist ganz korrekt. die Auffuehrung war grossartig und besonders Mariella Devia ist ausgeordentlich gewesen. es ist ganz normal fuer sie, so maechtig zu sein, doch ueberhaupt in letzten Jaehren ihre Ausdruckkraft erreicht unnachahmlice Scheitelpuenkte. Ihre Stimme klaengt so weich und so merkwuerdig, dass man moechte, das Oper unendlich waere. Am Juni wird Mariella Devia in Dortmund Anna Bolena singen.

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  • 2. rossignol  |  März 27, 2009 at 10:30

    Danke für den Hinweis auf Dortmund. Ich stelle bei Frau Devia immer fest, dass sie in der „Konserve“ kühler wirkt als auf der Bühne, wo man sich tatsächlich wünscht, sie würde nicht aufhören zu singen.

    Antworten

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