Taormina

April 20, 2008

Wer schon mal in Monaco war, weiss was ich litt.

Ein Leihwagen macht beweglich. Denkste. Am warmen, wenn auch dunstigen Samstag wollte ich Taormina, Siziliens berühmtesten Badeort, besuchen. Ein Katzensprung von Catania. Auf dem Rückweg wollte ich zur Isola Bella und zu den Felsen der Zyklopenküste. Ich brauchte für die kurze Strecke auf der Küstenstrasse fast zwei Stunden bis ich Taormina endlich erreichte.

Es gibt zwar eine funivia, eine Seilbahn, von Taorminas Strand zu dem Ort auf dem Berg, aber da ich auf der Strasse war und nicht am Strand versuchte ich es auf diesem Weg. Natürlich darf man nicht mit dem Auto in den Ort einfahren. Das entsprechende Parkhaus hat man unterhalb des Ortes an den Hang gepflanzt. Es ist optisch an Scheusslichkeit nicht zu überbieten. So haben es die Gäste des oberhalb des Parkhauses liegenden Luxushotels wenigstens nicht weit zum Aperitif. Hat eben alles seine Berechtigung. Ich gebe zu, ich war schon etwas angefressen: Die sinnlos lange Zeitverschwendung bei der Anfahrt und dann diese merkwürdigen Leute auf dem Corso! Hunderte von Amerikanern, vermutlich Pensionisten, sämtlich mit Plastikkärtchen an bunten Bändchen um den Hals, die Damen mit nahezu identischen Frisuren und Haarfarben. Was sollte ich da? Es war unmöglich, den Ort auf sich wirken zu lassen. Ein Blick von der Piazza verschaffte Klarheit. Ein Kreuzfahrtschiff lag draussen im Meer vor Anker und spuckte eine Bootsfuhre Kreuzfahrer nach der anderen ans Ufer. Selbst caffè granita konnte mich nicht aufheitern. Es war nicht mein Tag. Ich hätte mich doch besser gleich bei den scoglie dei ciclopi in die Sonne setzen sollen. Damit kein falscher Eindruck entsteht: ein paar Touristen halte ich schon aus, aber gleich so viele gleichartige … darauf war ich dann doch nicht gefasst.

Die Piazza mit der Normannenkirche und dem Brunnen ist wirklich schön und bietet bei klarem Wetter vor allem eine wunderbare Aussicht über die Bucht von Taormina.

Natürlich wollte ich auch das berühmte griechische Theater sehen, welches sich als weniger griechisch als römisch herausstellte, wie überhaupt es bedeutend originalere und stimmungsvollere Amphitheater auf Sizilien gibt, wenn es auch keines mit der Aussicht der Anlage in Taormina aufnehmen kann. Da sich zu dieser Tageszeit kein Schwein ausser mir für griechisch/römische Architektur interessierte, konnte ich ganz alleine auf den Theaterstufen vor mich hingrummeln und die Aussicht geniessen. Rechter Hand der Aetna schemenhaft, weil in Wolken. Vor den Augen blitzt durch die Öffnungen der raffiniert gebauten Bühnenwand das Meer der Bucht von Taormina. Schon schön. Ewig konnte ich dort nicht sitzen bleiben.

Enge Gassen und üppige Vegetation selbst an kleinsten Flecken sind für Taormina so charakteristisch wie für viele Orte, die an den Berghänge rund um den Aetna kleben.

Den restlichen Samstagnachmittag konnte ich nun entweder bei den Zyklopenfelsen verbringen oder mich auf die Suche nach Santi Pietro e Paolo machen, einer Normannenkirche ein Stück nördlich von Taormina. Angesichts des Verkehrs auf der Küstenstrasse ersparte ich mir weiteres Sightseeing an diesem Tag. Wie mag es hier erst zur Hauptsaison zugehen? Im nachhinein ärgere ich mich über meine Entscheidung. Die Kiche wäre sicher sehr interessant gewesen, was mir an schönen Orten an der Zyklopenriviera entgangen ist, hatte ich schon bei der Hinfahrt gesehen. Ich nahm die Autobahn nach Catania, kaufte mir in der Stadt ein paar Oliven, Schinken, Käse und eines der köstlichen gelben Holzofenbrote aus Hartweizengries, damit ich im Fall des Nichtwiederauffindens meines Hotels nicht verhungern musste. Das sacchetto di emergenza war nützlich, denn ein paar Runden durch Catania waren in der Tat erforderlich.

Anmerkung: Wer trotz der schlechten Qualität auf größere Bilder nicht verzichten mag, muss sie nur anklicken

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