Von Granita, Birkenstock und einem Barmann mit dem bösen Blick

April 19, 2008

Granita, eine Spezialität der Gegend, die man im Sommer statt Cappuccino zum Frühstück nimmt, stand ganz oben auf meiner To-do-Liste. Der Schnee in der Aetna-Höhle hatte mir Appetit darauf gemacht. Wie ich schon erzählte, bin ich wohlversorgt mit Druckstellenpflaster gereist. Meine Bergschuhe sind zwar gut eingelaufen, allerdings war ich länger nicht mit ihnen unterwegs und man nimmt merkwürdigerweise auch an den Füßen zu, wenn man zunimmt. Weil ich den für abends bestellten Leihwagen am Flughafen abholen musste, liess ich mich nach der Bergtour in der Stadt absetzen, erlöste die müden Füsse von den Bergstiefeln, steckte sie in Birkenstock aus dem Rucksack (ohne Strümpfe versteht sich bei der Hitze) und bestellte mir in einer Bar mit Gelateria eine granita di mandorla und zum Muntermachen einen espresso. Self Service. Der Barmann benahm sich merkwürdig. Zwar behandelte er die signora mit dem nötigen Respekt, beugte sich aber höchst interessiert über den Tresen und glotzte auf ihre Füsse. Etwa so wie ein Büffel glotzt, dem die Mozzarellamilch nicht rechtzeitig abgesaugt wird. Gesagt hat er nichts. Die signora auch nicht. Draussen vor der Tür untersuchte ich meine Füsse, konnte aber nichts Besonderes feststellen. Etwas rot waren sie halt und etwas fett – aber sonst waren sie wie immer. Mir schmeckte weder caffè noch granita, denn offenbar hatte ich etwas getan, was sich nicht schickte oder sich vielleicht für eine signora meines Alters nicht schickte. Ich war mehr als irritiert.

Das Warten auf den Alibus zum Flughafen zog sich hin. Auswirkungen des morgendlichen Streiks vermutlich. Es kam kein Alibus, was mich nicht weiter störte, denn die Leihwagenschalter schliessen erst um Mitternacht, da kommt es auf ein paar Stunden hin oder her nicht an. Schade aber für die Reisenden, die auf den Flughafenbus vertrauten. Dumm gelaufen.

Wenn man alle Zeit der Welt hat, ist so ein Busbahnhof kurz vor Sonnenuntergang was Nettes. Aus den fahrbaren Kiosks plärren die neuesten Hits um die Wette und die letzten panini, arancini und pizze tagliate gehen über den Tresen. Auf den Bänken versammeln sich ältere Herren im guten Anzug zum abendlichen Plausch. Pendler und Studenten eilen zu ihren Bussen. Trotz angenehmer Temperaturen ausnahmslos alle hochgeschlossen, manche mit pelzbesetzten Parkas, wattierten Jacken und wollenen Strümpfen. Ein verschnupftes junges Mädchen setzte sich zu mir, bat mich um ein Taschentuch und wir warteten gemeinsam auf den Bus. Auch sie schaute sehr interessiert auf meine nackten Füsse. Inzwischen dämmerte es bei mir natürlich, und das Mädchen bestätigte meine Vermutung. 25 Grad Celsius sind kein Grund für Catanesen, die Jacke auszuziehen oder gar barfuss in Schuhen zu laufen. Wie sollten sie sonst auch die 40 Grad und mehr im Sommer aushalten? Trotzdem hätte der Barmann nicht so blöd glotzen brauchen.

Zum Flughafen kam ich dann auch irgendwie. Nicht mit dem Alibus, denn auch nach fast zwei Stunden wartete ich noch immer vergeblich. Einer der zahlreichen städtischen Busbeamten hatte nur ein Achselzucken für mich, riet mir aber dann immerhin, doch einen anderen Bus zu nehmen, der auch am Flughafen hielt. So geschah es. Und hätte ich nicht gefragt, würde ich wohl heute noch dort sitzen.

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