Archive for März 2008
Verdi – Festwochen !?
Seit heute befindet sich München in „Verdi-Festwochen“. So ein Titel muss einem erst mal einfallen, um alltägliches Repertoire an den Besucher zu bringen. Entsprechend aufgedonnert und möglicherweise von weit hergekarrt waren Teile des Publikums. La Traviata machte den Anfang, gleiche Besetzung übrigens wie am Karsamstag, der wahrscheinlich zum Einsingen oder als Probelauf diente.
Jemand hat Franco Vassallo wahrscheinlich meinen Beitrag von letzter Woche vorgelesen
, denn heute sang er Di provenza il mar mustergültig, mit Hingebung, einer richtigen Dynamik und ohne Drücker am Ende. Massimo Giordano war auch wieder ausgezeichnet. Stimmlich präsent vom Beginn an bewältigt er die Partie mühelos und sehr „italienisch“. In seiner Darstellung ist Alfredo ein ganz Junger, ein bisschen tollpatschig noch, aber durchaus berührend. Auch heute fand ich die Szene im Ballsaal (3.Akt) seine beste, als er Violetta die Scheine für ihre angeblichen Liebesdienste vor die Füsse schleudert (qui testimoni vi chiamo, che qui pagata io l’ho). Und auch die anschliessende Szene, in der Giorgio Germont seinen Sohn für seine Tat rügt, fand ich sehr dicht und gut.
Heute muss ich mal den Opernchor wieder loben, der in La Traviata gut beschäftigt ist und auch allerhand choreografische Einlagen zu bewältigen hat. Die Inszenierung hat ja doch schon ein paar Jahre auf dem Buckel, ist aber noch recht ansehnlich.
Das alles hat mich nicht abhalten können, nach dem dritten Akt das Haus wieder zu verlassen. Violettas Sterbebett mit Norah Amsellem wollte ich mir nun doch nicht noch ein zweites Mal antun. Ich gehe jede Wette ein, dass ein begeistertes Publikum Norahs schrägschrille Misshandlung der Partie am Ende mit Bravi gefeiert hat.
Add comment März 29, 2008
Aus Kindern werden Leute
Häufige Kontakte gab es in den letzten Wochen zu meinen kenianischen Ex-Patenkindern. Die guten Erfahrungen der Vergangenheit machen mich neugierig auf die weitere Entwicklung.
Die Krisensituation in Kenia im Zusammenhang mit den gefälschten Wahlen lähmte zwar viele Aktivitäten in Bezug auf weitere Ausbildungsmassnahmen, aufhalten konnte sie den Bildungshunger allerdings nicht. Rose hat ihren dreimonatigen Computerkurs in der Woche vor Ostern beendet, der ihr nicht nur die Möglichkeit schneller Kommunikation eröffnet hat, sondern ich merke einen deutlichen Vorwärtsdrang bei ihr. Sie hat verschiedene Colleges aufgesucht und sich beraten lassen. Sie hat sich über Förderungsmöglichkeiten informiert, über die Unterbringung, über Möglichkeiten des Geldverdienens neben dem Studium und über die Studien-Gebühren, den wichtigsten Punkt. Inzwischen scheint es unaufhaltbar zu sein, dass sie in meine Fussstapfen tritt: >> mehr lesen >>
Add comment März 29, 2008
Wohin am Ostermontag?
Klar doch, BSO, HerzwärmestubeTamerlano
Eigentlich hatte ich geplant, nur bis zur Pause zu bleiben, denn schliesslich muss ich morgen wieder arbeiten, aber dann war’s doch so schön und so gut, dass ich bis zum Ende blieb. Nach der Pause nutzte ich ausserdem die Gelegenheit eines freien Parkett-Sitzplatzes in der sechsten Reihe und konnte so gleich die Aussage des Kritikers der AZ nachprüfen, dass man für den vollen Tamerlano-Inszenierungsgenuss sein Konto für einen Parkettplatz plündern müsse, wenn man mit dem Auge hört, da der Regisseur das Nationaltheater mit den Kammerspielen verwechselt habe.
Nun, man muss nach meiner Ansicht nicht in eine Parkettkarte investieren, denn eine missglückte Inszenierung wird nicht besser, wenn man nahe an der Bühne sitzt. Ich jedenfalls habe keines der ach so essentiellen Details der Personenführung in der sechsten Reihe sehen können, die ich nicht auch im dritten Rang gesehen hätte. Soviel zur Inszenierung. Etwas nachgearbeitet hat man aber seit der Premiere: Ich hatte den Eindruck, Ainsley war beim Singen nicht mehr ganz so gebeugt, war also nicht gezwungen „in den Boden“ zu singen und war ausserdem etwas weiter vorne platziert bei den Arien. Dadurch schluckten die Kulissengänge weniger und seine Stimme kam weit besser rüber als bei der Premiere. mehr lesen
Add comment März 25, 2008
Ostersonntag an der BSO: Parsifal
Bei der Kälte geht man besser in die Oper statt zum Eiersuchen nach Hellabrunn. Spart ausserdem die Heizung am Abend. Zuerst war ich ein bisschen traurig, dass ich bei der ersten Aufführung am Gründonnerstag nicht zum (Karten)Zug gekommen bin, aber so war es auch gut.
Der heutige Parsifal erfüllte mehr als alle Erwartungen, die nach der letztjährigen Aufführungsserie groß waren. Kent Nagano gelang erneut eine wunderbare Aufführung. Das Orchester war in glänzender Verfassung und so entstand durch (vielleicht auch trotz) Perfektion und der transparenten Orchesterstimmen ein Grad innigen Musizierens, der keine Wünsche an das Sentiment offen liess. Sensationell! Zusammen mit der aussergewöhnlichen Inszenierung von Peter Konwitschny ein denkwürdiges Ereignis.
Auch die Gesangsleistungen waren überdurchschnittlich gut. Am besten gefiel mir Michael Volle in seinem Hausdebüt als Amfortas, ausdrucksmässig stark und sängerisch klasse. Kurt Rydls Gestaltung des Gurnemanz fand ich ganz gelungen; seinen „Megabass“ muss man mögen, sonst hält man ihn nicht aus. Heute hielt er ihn etwas zurück, und das war gut so. Nikolai Schukoff ist inzwischen in die Rolle des Parsifal hineingewachsen, so dass der Überraschungseffekt der guten Leistung diesmal nicht mehr griff. Ich fand ihn gut, vor allem im zweiten Aufzug, stimmlich und konditionell hat er ohne Probleme durchgehalten. Kundry sang Lioba Braun, nicht nur optisch eine Steigerung zur letzten Besetzung (Luana DeVol). John Wegner war ein guter Klingsor, ebenso stark war Steven Humes’ Titurel. Zauberhaft die hochkarätig aus dem Haus besetzten Zaubermädchen.
Schade, dass Töne so flüchtig sind. So einen Parsifal würde ich auf eine einsame Insel mitnehmen wollen.
Add comment März 24, 2008
Karsamstag an der BSO: La Traviata
Es fing gut an – Massimo Zanetti dirigierte die wunderbar flirrende, vieles vorwegnehmende Ouvertüre -, dann wurde doch nur mit Wasser gekocht und zu erleben war eine hörbar ungeprobte Repertoireaufführung, die nicht schlecht war, aber ihre Schwachpunkte hatte.
Überwiegend Positives gibt es über den Tenor des Abends zu berichten. Wie auch schon im Werther bewies Massimo Giordano sein Können. Er sang den Alfredo kraftvoll und mit warmem, dunklen Timbre. Beim „O mio rimorso, o infamia“ hat er das Erklimmen der extremen Höhe am Ende allerdings gar nicht erst versucht, sondern ist auf der sicheren Seite geblieben. Herauszuheben seine Textverständlichkeit, denn das ist schon etwas Besonderes. Franco Vassallo in der Rolle des Vater Germont, auch er sehr solide mit schöner Intonation. Vermutlich war es Zanettis sehr raschen Tempi geschuldet, dass Vassallo den baritonalen Schmelz etwas vermissen liess. Auch hat mich irritiert, dass er am Ende von „Di provenza il mar“ nochmals nachgelegt hat, um den Ton etwas länger zu halten; musste eigentlich nicht sein. Norah Amsellem gab Violetta. Für meine Ohren klang ihr Vortrag mal so und mal so. Schlecht zu beschreiben. Ihre Höhe ist manchmal scharf schrill, manchmal gut, manchmal ist die Intonation haarscharf daneben und manchmal produziert sie eben Passagen, die geradezu instrumental schön klingen. Darstellerisch ist sie gut, aber in meinen Augen keine überzeugende Violetta.
Die Duette waren allesamt leicht wackelig, bei „Parigi o cara“ wären beide Sänger fast ausgestiegen. Piano singen war heute auch nicht sonderlich gefragt, bei Vater Germont hätte es sich sicher sehr positiv ausgewirkt.
Herzlicher Applaus und Bravi vom überwiegend touristischen Publikum.
PS: Warum sitze oder stehe ich eigentlich ständig neben Knoblauchknollen?
Add comment März 23, 2008
Tamerlano: Wunderbare unentdeckte Händel-Welt
An der Münchener Staatsoper jagt ein Regie-Highlight das andere. Szenisch unterscheidet die belanglose Tamerlano-Inszenierung von Pierre Audi nicht viel vom Nabucco-Langweiler des Yannis Kokkos: das Personal steht überwiegend singend herum, und zum Bühnenbild ist den Machern nicht viel eingefallen. Für Tamerlano sogar gar nichts. Die Inszenierung ist Pierre Audis dritter Aufguss nach Drottningholm und Amsterdam. Irgendwo habe ich im Vorfeld zur „Premiere“ gelesen, in München würde nun eben zu Händel wieder geschritten. Noch nicht mal das.
Musikalisch sah die Sache glücklicherweise besser aus. Nach langer Zeit mal wieder am Münchner Pult: Ivor Bolton, dem zuzusehen die reine Freude war. Sein Orchester spielt und atmet Händels Musik, Bolton selbst scheint für die Dauer der Oper vollkommen darin aufzugehen. Die Gestik seiner linken Hand ist einfach phantastisch. Das Wechsel- und Zusammenspiel Orchester-Bühne ist kongenial. Es war eine äusserst ausgewogene Vorstellung, bei der ich alle Rollen als gleichwertig empfand. >> mehr lesen>>
Add comment März 16, 2008
Ein deutsches Requiem
Wie bereits auch in den letzten Jahren, gastieren Chor und Orchester des Bayerischen Rundfunks bei dem Osterfestival in Luzern mit einem Programm , das auch in diesem Jahr kurz vor der Reise im Herkulessaal (13. März) aufgeführt wurde. Brahms’ kunstvoll instrumentiertes Requiem, basierend auf schlichten Bibelversen ohne liturgischen Bezug und damit ohne Bezug auf die Leidensgeschichte, ist kraftvoll und edel zugleich. Es stellt große Anforderungen an die ausführenden Künstler und gewaltige Ansprüche an den Chor, der nahezu pausenlos im Einsatz ist. >> mehr lesen >>
2 comments März 14, 2008
Echte Pizza spricht napoletanisch. Klaro?
Ich bin ja gespannt, wann ich in Deutschland zum ersten Mal die „kreisförmige Backware mit variablem Durchmesser von höchstens 35 Zentimetern“ zu mir nehmen kann, die den strengen Vorschriften ihrer Hüter, der Associazione Verace Pizza Napoletana genügt. Mit einiger Übung wird es mir sicher gelingen, die Authentizität einer Margherita anhand des spiralförmig von der Mitte aus aufgebrachten kampanischen Olivenöls oder der Kantenlänge der in Würfel geschnittenen Marzano-Tomaten und natürlich des Mozzarella di buffola campana festzustellen. Ich werde auch nach kurzer Zeit die Pizzeria meiner Wahl ohne Schieblehre zur Kontrolle der Dicke des Pizzabodens aufsuchen können, denn für Toleranzen von läppischen 10 % von 0,4 cm hat der geübte Pizzaesser nach kurzer Zeit ein Auge. Auf den speziellen Geschmack des napoletanischen Wassers und seine Werthaltigkeit bin ich allerdings schon sehr neugierig. >> mehr lesen *ggg*
Add comment März 12, 2008
Zeit für Reisepläne
Irgendwann letztes Jahr, als Tuifly günstige Winterflüge unter die Leute brachte, habe ich mich rein vorsorglich mit einem Flug nach Catania eingedeckt, den ich auch wahrnehmen werde. Nachdem ich mich in den letzten Tagen ein bisschen umgetan habe, was ich dort so alles unternehmen könnte, bin ich etwas im Zweifel, ob die Reisezeit April nicht etwas zu früh ist, um einen der Etna-Gipfel zu erklimmen, denn die Trekkingski habe ich vor Jahren schon eingemottet. Wohl oder über werde ich die Bergtour also auf mich zukommen lassen und mal abwarten, ob ich bis zu meiner Reise noch Informationen hierzu sammeln oder sogar einen Führer buchen kann. >> mehr lesen >>
Add comment März 11, 2008
Lea Linster:
„Es gibt nichts, das zu einfach wäre, um es nicht gut zu machen.“
Ich habe Hunger. 23:19 Uhr. Kerner lässt mal wieder kochen.
Add comment März 7, 2008
Are you kidding?
Als ich heute morgen im Standard las, dass die USA die Inkraftsetzung des sogenannten „Power-Sharing Abkommens“ in Kenia mit 25 Millionen US Dollar unterstützen wollen, wusste ich nicht, ob ich den Kopf schütteln sollte ob des zwar absehbaren aber doch immer wieder überraschenden Unverstandes der Bush-Regierung oder einfach nur die Achseln zucken, weil’s doch ja nur wie immer ist. Die Einsetzung von ca. 40 Ministern und geschätzt nochmal doppelt so vielen Hilfsministern ist teuer, aber Condy wurde im State House Nairobi schliesslich nicht umsonst empfangen. Hat eben alles seinen Preis. Und nach dem Haufen Arbeit der ersten drei Monate ist demnächst sicher auch eine Diätenerhöhung der Abgeordneten dringend erforderlich. Wann mussten die armen Kerle schon mal ständig im Parlament Gesetze machen? Das Schulgeld für die kenianischen Kinder sparen sich derweil deren Eltern, die Guardians oder ein paar ausländische Idioten vom Mund ab.
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Add comment März 7, 2008
Öffentlicher Personen Verkehr
Eigentlich fahre ich ja gerne Zug, vor allem mit den Schnellen, auch wenn sich nicht allzu oft die Gelegenheit bietet. Ganz instinktmäßig habe ich bisher Wochenendfahrten vermieden. Dieses Wochenende war es unvermeidlich und so kam ich endlich auch mal in den Genuss eines überfüllten Sonntagnachmittag-ICE. Dank Reservierung war mir wenigstens ein Sitzplatz zugewiesen worden. Dem ich nicht entrinnen konnte. No way. weiterlesen
Add comment März 4, 2008
Annemarie Renger
Dieses Foto von Kurt Schumacher und Annemarie Renger hat mir schon als Kind gefallen. Nun ist Annemarie Renger gestorben. Ich habe zwar nicht immer ihre politische Meinung geteilt, sie als Frau aber immer bewundert. Ihre politische Karriere wäre heute in der Form wahrscheinlich nicht mehr möglich. Sie war, wie auch Hildegard Hamm-Brücher, selbst im Deutschen Bundestag eine Dame und eine würdige Vertreterin eines Deutschland, das im Laufe der Jahrzehnte leider manche seiner Grundideale verloren oder weggeworfen hat.
Add comment März 3, 2008



